englischen, die wahrhaft- liebevoll geschildert würden, und imGegensatz dazu eine ebenso auffällige Gereiztheit gegen fastsämtliche deutschen Staatsmänner. Das Resultat sei gewesen,dass der Fürst in nicht seltenen Fällen gerade die eifrigstenGegner Deutschlands als dessen beste Freunde angesehen habe,weil sie sich mit ihm persönlich gut gestellt hätten. Bei einersolchen Verkennung der Menschen sei es kein Wunder, dassder Fürst bei seiner Darstellung zu falschen Schlüssen ge-kommen sei. So gebe eT selbst zu, dass er der Ermordung desösterreichischen Thronfolgers zunächst keine weitergehendeBedeutung beigemessen und es übel vermerkt habe, dass manin Berlin die Lage anders beurteilt habe. Schon dieser Irrtumallein mache es erklärlich, dass der Fürst kein ungetrübtesVerständnis für die folgenden Ereignisse und deren Bewertunggehabt habe.
lin einzelnen gehe aus der Denkschrift hervor, dass derFürst schon im Sommer 1914, wie bei Abfassung der Denk-schrift die Ansicht vertreten haben wolle, dass trotz der Er-mordung des österreichischen Thronfolgers der Friede hättevon der deutschen Regierung durch Einwirkung auf Oester-reich aufrechterhalten werden können, wenn sie nur dieFriedensliebe Englands genügend ausgeniitzt hätte; von Russ-land wäre, wenn dies geschehen wäre, ein militärisches Ein-greifen kaum zu erwarten gewesen. Wie falsch eine solchePolitik gewesen wäre, sei jetzt durch die Aufklärungen desSuchomlinow-Prozesses überzeugend festgestellt.
Die angeblichen Tatsachen, auf die der Fürst sich zurRechtfertigung seiner Politik berufe, ständen im einzelnenvielfach in direktem Widerspruch mit der objektiv festzu-stellenden Wahrheit. Redner führte dies im einzelnen aus.So bezüglich der Behauptung des Fürsten , dass Graf Moltkezum Krieg gedrängt habe, bezüglich des am 5. Juli 1911 inPotsdam abgehalteneu Kronrats und der Versendung einesösterreichischen Protokolls über den angeblichen Ivronrat an(len Grafen Mensdorff nach London , in welchem Protokoll derZusatz enthalten gewesen, sei: Es werde nichts schaden,wenn auch daraus ein Krieg mit Russland entstehe. Diesesämtlichen Behauptungen seien nachweisbar falsch. Ebensodie Behauptung, dass der damalige Staatssekretär des Aus-wärtigen Amts im Juli 1914 in Wien gewesen sei, wie dieBehauptung, Graf Pourtales habe berichtet, Russland -werdesich unter keinen Umständen rühren. Wie unbegründet dieKlagen des Fürsten darüber seien, dass man nicht seiner An-regung entsprechend die serbische Krise durch eine Konferenzzu beendigen versucht habe, sei jetzt unverkennbar, und dieVerhandlungen des Suchomlinow -Prozesses hätten gezeigt, wieunbegründet seine Vorwürfe seien, dass Deutschland dierussische Mobilmachung mit dem Ultimatum .und der Kriegs-erklärung beantwortet habe. Ebenso sei es mit der Behaup-tung, die deutsche Regierung habe alle Vermittlungsvor-schlägo Englands abgelehnt. Ganz besonders dringend seivon Berlin aus der letzte Vermittlungsvorschlag Sir EdwardGreys in Wien befürwortet worden, wie aus den Instruk-tionen hervorgehe, die der Reichskanzler von Bethmann Holl-weg am 9. November 1916 im Ilauptausschuss bekanntgegebenhabe. Unglücklicherweise für den Fürsten habe er seineDenkschrift drei Monate zu früh verfasst. Wie wenig dieVorwürfe des Fürsten gegen die Friedensliebe der deutschenPolitik begründet seien, beweise er selbst in der Denkschriftdurch Erzählung eines Vorgangs am 1. August 1914. Damalshabe der Fürst infolge eines telephonischen Missverständ-nisses von London aus berichtet, Sir Edward Grey habe an ihn
die Frage - gerichtet, ob Deutschland Frankreich nicht an-greifen würde, falls es in einem deutsch -russischen Kriege'neutral bleibe. Sofort nach Eintreffen dieses Telegramms seivon Berlin aus das bekannte Telegramm dos Kaisers an denKönig von England abgegaugen, in welchem Deutschland sicherboten habe, auf den englischen Vorschlag einzugehen, fallsEngland mit allen seinen Kräften die bedingungslose Neu-tralität Frankreichs garantieren wolle. Dass die Meldungdes Fürsten irrtümlich gewesen war, ändere an der Bewertungdes deutschen Schrittes nichts. Wenn die Denkschrift voneiner Verständigung mit England rede, so müsse zur Ver-meidung von Irrtümern betont werden, dass diese sich Hin-auf die Bagdadbahn und auf die portugiesischen Kolonienbezogen hätten; eine Gesamt-verständigung mit England seiangesichts der damaligen europäischen Verhältnisse, nament-lich angesichts des unbedingten Festhaltens Englands an derEntentepolitik, wie es in den Verhandlungen über das eng-lisch-russische Marineabkommen zum Ausdruck gekommensei, entgegen der Behauptung des Fürsten begreiflicherweisenicht zustande, gekommen.
Der Zweck der Denkschrift- im ganzen sei offenkundig.Sie sollte dem Leser zeigen, eine wieviel bessere und ein-sichtigere Politik der Verfasser gemacht und wie er demReiche den Frieden gesichert hätte, wenn man seinen Rat-schlägen gefolgt wäre. Aus diesem Glauben an sich werdedem Fürsten niemand einen Vorwurf machen. Es -sei ihmauch freigestanden, sich Aufzeichnungen über die Vorgängeund über seine Stellung zu denselben zu machen. Aber dannhätte er die unbedingte A r erpflichtung gehabt, dafür zu sorgen,dass sie nicht an die Oeffentlichkeit kommen können,.und soklein der von ihm in Aussicht genommene Leserkreis gewesensein möge, hätte er doch die Verpflichtung gehabt, nichts denihm bekannten Tatsachen Widersprechendes zu behaupten unddas ihm zugetragene Tatsachenmaterial zu prüfen. So wie dieDingo jetzt lägen, werde die Denkschrift, die doch nur be-weisen solle, dass die Weltgeschichte nur deshalb in falscheBahnen gelenkt worden sei, weil man andernfalls ihn, denFürsten , um seinen Erfolg beneidet hätte, bei den Uebelwollen-den wie bei den Oberflächlichen Schaden genug stiften.Irgendwelchen historischen Weit habe die Denkschrift nicht,sie sei auch nicht bestimmt dazu, der objektiven Wahrheit zudienen, sondern lediglieh den subjektiven Zwecken eineseinzelnen. t
Des weiteren handle es sich um ein in Briefform gekleide-tes, an eine grössere Anzahl von Personen versandtes und seit-her stark vervielfältigtes Rundschreiben »eines zurzeit sich inder Schweiz aufhaltenden Dr. Miihlon, der zur Zeit des Kriegs-ausbruchs Mitglied des Kruppschen Direktoriums gewesen sei.Die Echtheit sei bis jetzt nicht bestritten worden. Die Zeitder Abfassung sei nicht bekannt. Dr. Miihlon sei nach demBrief in der zweiten Hälfte Juli 1914 hintereinander bei- zweibekannten Herren in hervorragender Stellung gewesen underzählte nun angebliche Aeusserungen derselben, aus denener den Schluss zieht, dass es der deutschen Regierung imJuli 1914 an dem Friedenswillen gefehlt habe. Die' beidenHerren hätten sich schriftlich dahin goäussert, dass es sich beiDr. Mühlon um einen nervenkranken Mann handle, der schonzur Zeit seiner Tätigkeit in Essen nicht habe in einen Raumeintreten können, in dem mehrere ihm unbekannte Herren ver-sammelt seien, und der nach seinem Austritt aus dem Direkto-rium wiederholt mit seinen Nerven zusammengebrochen seiund längere Zeit ausschliesslich seiner Erholung habe lebenmüssen. Eine absichtliche Schädigung des Vaterlandes durch