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Der Irrtum Lichnowskys / [Lichnowsky ; von Jagow]
Entstehung
Seite
16
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sich bewährt-, so dass ein Grund, den Fürsten in die Stellungeines Botschafters nicht uufrücken zu lassen, nicht Vorgelegenhabe, ln London hat -sich der Fürst mit Eifer und Hingabeseiner Aufgabe gewidmet. Seine Urteile hätten allerdings mitden Ansichten des Auswärtigen Amtes häufig nicht überein-gestimmt. Das gelte insbesondere hinsichtlich seines weit-gehenden Optimismus über den Stand der deutsch -englischenBeziehungen.

Nachdem seino Hoffnungen auf Herbeiführung einerdeutsch -englischen Verständigung durch den Kriegsausbruchvernichtet worden seien, sei der Fürst in einem Zustand starkerErregung nach Deutschland zurückgokehrt und habe mit seinerKritik der deutschen Politik schon damals nicht zurüek-gohalten. Seino Erregung sei durch die scharfen Angriffe ge-steigert worden, denen er in der deutschen Presse ausgesetztgowesen sei, deren Aufmerksamkeit er durch sein rednerischesHervortreten in England auf sich gerichtet habe. Diese Um-stände müssten bei der Bewertung der Denkschrift in Betrachtgezogen werden. Es sei nicht gerechtfertigt, aus derselbenRückschlüsse auf die Tätigkeit des Botschafters in London zuziehen und daraus Verwürfe gegen die Regierung herzuleiten.

Auf die Anfragen bezüglich des Weissbuches müsse er zu-geben, dass es nicht sehr umfangreich- sei; es sei sehr raschzusammengestolit worden, um dem Reichstag bei seinem Zu-sammentritt ein klares Bild von der Schuldf-rago zu geben.Diesen Zweck habe das Weissbuch erfüllt-, die Belastung mitweiteren Einzelheiten wiirdo nicht nützlich gewesen sein.

Später sei eine Ergänzung desselben erwogen worden, es habeaber die Ansicht obgesiegt, dass eine nachträgliche Ergänzungdie Wirkling der ursprünglichen Veröffentlichung nur ab-schwächen würde.

Die BuntbüclieT der anderen Staaten seien zwar viel um-fassender, das deutsche Weissbuch liebe sich aber von den-selben insofern vorteilhaft ab, als es keine Fälschungen ent-halte. Im übrigen sei die Ausgabe eines -neuen Weissbuchesin Vorbereitung.

Versitzender, Abgeordneter Fohrenbach, stellt fest,dass, wie auch der Herr Vizekanzler schon darauf hin-gowiesen habe, nach seiner und der Regierung Auffassungeine Verhandlung im Plenum nicht- angezeigt erscheine, eineAuffassung, die auch mit der des Seniorenkonvents überein-stimme, und schlägt vor, über die heutigen Verhandlungen einProtokoll herauszugeben unter Mitwirkung der Herren Abge-ordneten Gröber, Sclieidomann, Dr. Müller (Meiningen) ,Dr. Stresemann, von Graefe, von Gamp, Haase (Königsberg),da diese am besten beurteilen könnten, was von ihren Aus-führungen zu veröffentlichen sei.

Nach einer längeren Gesehäftsdebatte, an der sieh dieAbgeordneten Haase (Königsberg), Scheidemanu,Dietrich, Prinz zu Schoenaich - Carolath, Freiherrvon Gamp und Dr. Müller (Meiningen ) beteiligen,werden die Verhandlungen geschlossen und die nächste Sitzungnach Bedarf angesetzt.

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