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Soll Deutschland seine Goldwährung aufgeben? / von F. Thorwart
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Hältnissen des Zarenreichs ab. Zeitweise ist der Import des russischenRoggens nach Deutschland zwar sehr beträchtlich, jedoch entwickeln sichRoggenpreis und Papierrubelkurs durchaus unabhängig von einander.Gegenüber der Behauptung, daß fallender Rubelpreis mit Vermehrungdes Roggenexports aus Rußland Hand in Hand gehen müsse, zeigtder Zeitraum von 1875 bis 1892 wiederholt gleichzeitige Steigerungendes Rubelkurses und des Exports, gleichzeitige Senkungen des Rubel-preises und Verminderungen des Exports. In den Jahren 1887 bis1894 zählen wir beispielsweise fünf Perioden von 6, von 9 und12 Monaten, in denen der Rubelkurs bis zu 20 Prozent fällt, derRoggenpreis in Berlin aber bis 50 Prozent steigt und umgekehrt.Der beste Beweis, daß der Papierrubel nicht mit den Schwankungendes Silbers auf- und abgeht, ist, daß der russische Finanzminister denWert des Papierrubels bei den in Gold zu leistenden Zollzahlungen1893 auf 60 Kopeken Gold, den Silberrubel auf 50 Kopeken Goldoder 17 Prozent niedriger tarifierte, im Frühjahr 1895 dagegen dieseSätze entsprechend dem inzwischen gesunkenen Silberwerte auf 65 bezw.45 Kopeken festsetzte, so daß die Differenz zu Ungunsten des Silber-rubels sich noch verschärft hat. Der wesentlichste Einfluß auf denPreis für den russischen Roggen ist nicht in den Währungsverhält-nissen, sondern in der Ausdehnung des russischen Eisenbahnnetzesvon 1860 bis heute um das Zwanzigfache zu suchen. Man be-rechne, was es früher kostete, das Getreide auf Schlitten aus demInnern des Reiches bis an die Wasserstraßen, von da auf Kähnenbis zu. den Häfen und endlich zu Segelschiff nach Deutschland zuschaffen, und vergleiche damit die jetzigen niedrigen Eisenbahntarife!Man wird dann zugeben müssen, daß es der Rückgang der Trans-portkosten gewesen ist, der das russiche Getreide so billig gemacht hat.

Für den Weizenpreis soll angeblich die indische Weizenproduktionausschlaggebend sein, welche vermöge der entwerteten indischen Silber-währung Europa mit billigem Weizen überflutet. Aber wenn derExport nur infolge der sich stetig verschlechternden Valuta so sehr ge-stiegen ist, dann wäre doch die Erhaltung dieser geringwertigen Währungeine Lebensaufgabe für Indien, während man im Gegenteile dort durchdie Schließung der Münzstätten den Übergang zur Goldwährung vor-bereitet und die indische Rupie vom Silberpreise vollständig losgelöstund 30 Prozent teurer ist, als der innere Silberwert. Die fallendenindischen Weizenpreise sind nicht Folgen der sinkenden Silberpreisesondern der Aufhebung des Ausfuhrzolles im Jahre 1873, des Bausvon Eisenbahnen 1860 nur 1350 km, 1895 aber 30 000 km,das heißt eine Vermehrung um über das Zwanzigfache, derdadurch billiger gewordenen Frachten, des rascheren und billigerenTransports durch den Suezkanal. Auch der indische Weizenexport steigtund fällt, ohne daß korrespondierende Senkungen und Steigerungendes Silberpreises vorangegangen oder gleichzeitig aufgetreten sind. Imübrigen wird der indische Weizenexport nach Europa weitaus über-