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Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / Karl Helfferich
Entstehung
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nicht nur verfehlen, sondern die kritische Lage verschärfenmüsse, begann man in London dem Drängen Frankreichs undKusslands nachzugehen.

Sir Edward Grey liess sich zunächst von Paul Camhonseinen Konferenzvorschlag einflüstern, und zwar in der folgendenForm: das britische Kabinett solle von der deutschen Kegierungverlangende prendre l'initiative d'une démarche à Viennepour offrir une médiation, entre l'Autriche et la Serbie, desquatre Puissances non directement intéressées" (die Initiativezu ergreifen zu einem Schritt in Wien , nm eine Vermittlungder nicht direkt interessierten vier Mächte in der österreichisch-ungarisch-serbischen Frage anzubieten). (Gelbbuch No. 32.)Der Vorschlag war von vornherein aussichtslos; denn ab-gesehen davon, dass er Deutschland eine Initiative beiseinem Bundesgenossen zuspielen wollte, die Frankreich beiKussland ängstlich ablehnte, war der österreichisch-ungarischeStandpunkt, dass eine Einmischung oder Vermittlung Dritterin den österreichisch-ungarisch - serbischen Konfliktunannehmbar sei, bekannt; und ferner hätte Oesterreich-Ungarn durch die Annahme des Grey-Cambonschen Vorschlags eo ipsoKussland im österreichisch-ungarisch-serbischen Konflikt alsPuissance directement intéressée" anerkannt, was imstriktesten Gegensatz zu den österreichisch-ungarischen Auf-fassungen und Absichten stand. Aber indem Paul Cambon Sir Edward Grey auf dieses Eis lockte, erreichte er mit dersicher zu erwartenden deutschen Ablehnung eine Verschlechte-rung der Stimmung des englischen Kabinetts gegenüberDeutschland .

Daneben zeigten sich aus dem Kreise der britischen Re-gierung gewisse Ermutigungen für Frankreich und Russland .Welche Kräfte dabei am Werke waren, ergibt sich aus demZusammenhalt zweier Telegramme (Gelbbuch No. 63 undNr. 66), die der französische Geschäftsträger in London am27. Juli an seine Regierung richtete. Die beiden Telegrammemögen lder im Wortlaut Platz finden:

No. 63.

Londres , le 27 juillet 1914.

L'Ambassadeur d'Allemagneet l'Ambassadeur d'Autriche-Hongrie laissent entendre qu'ilssont sûrs que l'Angleterregarderait la neutralité si unconflit venait à éclater. SirArthur Nicolson m'a dit que,cependant, le prince Lich-nowski ne pouvait, après laconversation qu'il a eue aveclui au ourd'hm, conserver au-

London , 27. Juli 1914.

Der deutsche und der öster-reichisch - ungarische Bot-schafter lassen durchblicken,sie seien sicher, dass England im Falle eines Konflikts neu-tral bleiben werde. Sil' ArthurNicolson hat mir indessen ge-sagt, (Jer Fürst Lichnowskykönne nach der Unterhaltung,die er heute mit ihm gehabthabe, nicht mehr darüber im