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Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / Karl Helfferich
Entstehung
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Charakter der französisch-englischen Entente immer wiederaufgestellt worden ist. Im Falle Belgien jedoch wird dasVerhältnis ganz besonders deutlich illustriert. Unter den be-schlagnahmten Papieren befindet sich eine Aufzeichnung vonder Hand des Graten von der Straaten, Direktors im belgischenMinisterium des Aeussern, über eine Unterredung des eng-lischen Militärattaches in Brüssel , Oberstleutnant Bridges, mitdem belgischen Generalstabschef, General Jungbluth, vom23. April 1912. In dieser Unterredung erklärte nach derNiederschrift des Grafen von der Straaten der OberstleutnantBridges :

Die englische Begierung hätte während der letzten Er-eignisse (Marokkokrisis) unmittelbar eine Landung bei uns(in Belgien ) vorgenommen, selbst wenn wir keine Hilfe verlangthätten."

Der General hat eingewandt, so heisst es in der Nieder-schrift weiter, dass dazu unsere Zustimmung notwendig sei."

Der Militârattaché hat geantwortet, dass er das wisse;aber da wir nicht imstande seien, die Deutschen abzuhalten,durch unser Land zu marschieren, so hätte England seineTruppen in Belgien auf jeden Fall gelandet."

Dass hiergegen von belgischer Seite eine Einwendung oderein Vorbehalt gemacht worden sei, geht aus der Notiz desGrafen von der Straaten nicht hervor.

Die Unverletzlichkeit der Neutralität Belgiens , um deinet-willen England angeblich in den Krieg eingetreten ist, warEngland hiernach im Jahre 1912 entschlossen gewesen überBord zu werfen, ohne mit der AVimper zu zucken. Belgien selbst hatte durch die militärischen Abmachungen mit England seine Neutralität auf das schwerste kompromittiert. WennEngland trotzdem die Welt glauben machen will, dass es zumSchutz der Neutralität Belgiens das Schwert gezogen hat, sospielt es die Bolle des Verführers, der die von ihm verführteUnschuld zu schützen vorgibt.

Aus den von den Dreiverbandsregierungen veröffentlichtenDokumenten ergeben sich also die folgenden Grundzüge derEntstehungsgeschichte des europäischen Krieges:

1) Kussland hat den Krieg herbeigeführt durch seine am81. Juli angeordnete allgemeine Mobilmachung, die wie denrassischen Staatsmännern auf das genaueste bekannt warfür Deutschland den Krieg unvermeidlich machte.

2) Alle Vorwände, die von der russischen Begierung fürdie allgemeine Mobilmachung gegeben werden, sind hinfällig.Weder österreichisch-ungansche noch deutsche militärischeMassnahmen können die allgemeine russische Mobilmachungbegründen. Die russische Regierung hat vielmehr den Befehlzur allgemeinen Mobilmachung erlassen, unmittelbar nachdemauf Grund der Einwirkung des Deutschen Kaisers in Wien Oesterreich-Ungarn sich in dem serbischen Konflikt zu einer