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schlagen Englands zur Folge haben werde, hatteFrankreich Russland die Kriegshilfe zugesagt unddabei wohl auch erwähnt, dass auf die englische Mitwirkunggleichfalls gerechnet werden könne. 5 )
Sir Edward Grey hat seiner Mitteilung an Paul Cambon über seine beabsichtigte Eröifhung an den Fürsten Lich-nowsky einige Ausführungen hinzugefügt, die auf den erstenBlick eine Analogie zu dem Vorbehalt zu sein scheinen, dener bei der Mitteilung der Aufrechterhaltung des mobilen Zu-standes der Flotte an den russischen Botschafter gemacht hat.Er hat nämlich darauf hingewiesen, dass die öffentliche Mei-nung in England die derzeitigen Schwierigkeiten doch mitanderen Augen ansehe als vor einigen Jahren die Marokko- krisis. Damals habe es ausgesehen, als ob Deutschland Frank-reich zerschmettern wolle wegen einer Frage, die Gegenstandeines Spezialabkommens zwischen England und Frankreich war. Diesmal handle es sich in erster Linie um eine serbisch-österreichisch-ungarische, vielleicht auch um eine russisch-deutsche Frage, und England fühle keinen Beruf, sich einzu-mischen. Wenn auch Frankreich auf Grund seiner Bündnis-verpflichtungen hineingezogen werde, so habe England sichnoch nicht schlüssig gemacht, was zu tun sei; dies sei einFall, der zu überlegen wäre. England sei frei von Ver-pflichtungen und werde zu entscheiden haben, Avas die bri-tischen Interessen verlangten. Er habe es für nötig gehalten,dies zu sagen, um Cambon nicht in den Irrtum zu versetzen,als ob hierüber ein Beschluss schon gefasst sei.
Wie Cambon diese Ausführungen auffasst, ergibt sich ausseiner Antwort. Sir Edward Grey selbst drahtet hierüber anden britischen Botschafter in Paris (Blaubuch No. 87):
"M. Cambon said that I had explained the situation veryclearly. He understood it to be that in a Balkan quarrel, andin a struggle for supremacy between Teuton and Slav weshould not feel called to intervene; should other issuesbe raised, and Germany and France become involved,s',o that the question became one of the hegemony ofEurope, we should then decide what it was necessaryfor us to do". (Herr Cambon sagte, ich habe die Lage sehrklar auseinandergesetzt. Er verstehe, dass wir keinen Beruf
5 ) Ein in Deutschland nach Ausbruch des Krieges aufgefangenerBericht des belgischen Geschäftsträgers in Petersburg , Herrn del'Escaille, vom 30. Juli enthält eine volle Bestätigung dieser Zu-sammenhänge. In diesem Bericht heisst es : „England hat zuerst zuverstehen gegeben, dass es sich nicht in einen Konflikt hineinziehenlassen -wolle. Sir G. Buchanan sagte dies offen. Heute (also am30. Juli) ist Petersburg fest überzeugt, ja es hat sogar Zusicherungendes Inhalts empfangen, dass England auf der Seite Frankreichs mitgehen wird. Diese Hilfe ist von entscheidender Wichtigkeit undhat wesentlich zum Triumph der Kriegspartei beigetragen."