scheiden, da die Ablehnung des Friedens nicht nur die Fortsetzung des bluti-gen Krieges bedeutet, sondern auch den Verlust unserer nationalen Einheugebracht hätte. Der Feind wäre nilt blutiger Waffengewalt eingerückt undhätte nach kurzer Frist eine Reihe von deutschen Separatsrieden mit einzelnendeutschen Ländern erzwungen. Da stand mehr als je zuvor in der Geschichteunseres Volkes a-l'les aus dem Spiel. Die Mainlinie und Rheinbund-gedanken lebten ans. Der deutsche Volkskörper wäre bei Nicht Unterzeichnungin Fetzen gerisse» Worden. „Im.HMern aber wäre gleichzeitig ein mörde-rischer Bruderkrieg, ausgebrochen, Mangel an Kohle und Lebensmittelnhätten Deutschland Hollkommen ruiniert, und ein noch viel schlechterer Friedewäre uns dann schließlich ousgezwungen worden. Ich wußte, daß infolgemeiner Haltung die vergifteten Pfeile der Helfferich-Gruppe auf meineBrust gerichtet sein würden, und doch stellte ich mich im entscheidendenMoment offen und bereit für den Friedensschluß auf. Ich habemeine Pflicht für das Vaterland getan. Ich rechnete aberauch zuversichtlich damit, daß das schlechteste Buch des Jahres 191A— der Friedensvertrag von Versailles — keinen langen Bestand habenkönne und daß die Zeit und der ehrliche Wille zur Wiedergutmachung unserebesten Bundesgenossen zur Revision des Friedens sein würden. Von Tagzu Tag mehren sich die Anzeichen für die Richtigkeit meiner Rechnung. Wiebin ich wegen dieser meiner nationalen Pflichterfüllung angegriffen worden?Drei Anschläge auf mein Leben wurden durch vergiftete Agitation hervor-gerufen: das erste Mal am Tage der Friodensunterzeichnung durch Landes-jäger in Weimar , dann bald darauf des Nachts durch Handgranaten und Ge-wehrschüsse auf mein Arbeitszimmer im Reichsfinanzministerium, wo ichkurze Zeit wohnte, und endlich der Schuß von Moabit .
Die Finanzreform.Nach dem Fmedensschluß erhielt ich das un^dankbarsie AM für alleZeiten! — das R e ichs f i nan zm i n i st e r iu m wuroe nur übertragen.Rasches und rücksichtsloses Handeln nur gab die Möglichkeit, uns zu retten.In einem aus der Not gebotenen Tempo wurde unter meiner Führung diereichseigcne Steuerverwaltung geschaffen, ein hochbedeutsames nationalesWeck, das weder >dem neuen Deutschen Reich, noch dem alten Deutschland unter den Wsltkaisern gelungen ist. Als ich in Weimar bald nach meinerUebernahme des Amtes vor den berühmtesten Hochschullehrern für National.Uo-nomie und Finanizwissenschaft dieses Ziel entrollte, anerkannten sie dieGroßzügigkeit des Planes, hielten ober die Durchführung für >kaum erreich-bar. Es fiel damals das Wort, wenn ich diesen Plan verfolge, sei ich nachacht Tagen nicht mehr Mnanzminister. Noch zwei Monaten war der PlanGesetze Die Reichsabgabenordnung mit ihrem einheitlichen Steuerrechtschloß sich an und dürfte ein Markstein der internationalen Steuergesetz-gebung werden. In rascher Folge kamen die Wegsteuerung des Ver-'mögenözuwacheses im Kriege, die Erbschaftssteuer, die Tabaksteuer und dasvielumstritiene Reichsuotopfer zustande. Die Reichseinkommensteuer stehtvor dem Abschluß. Das finanzielle Verhältnis in Reich, Ländern und Ge-meinden wird aus eine nMe Grundlage gestellt, und >das alles in nicht ganz«AM Monaten, was man früher nicht m neun Jahren geschaffen hätte.