Um die Gunst des Kaisers.
Der Angeklagt«, der so sehr auf seine Bildung pocht, kennt wohl denBegriff, den die alten Griechen, in dem vielsinnigcn Worte „Hybris" ge-prägt haben. Fürwahr ist es. der G i p s e l des Uebermntes, wennausgerechnet der Angeklagte es heute hier an dieser Stelle wagt, kritischund tadelnd an die Ereignisse heranzutreten, an deren für das deutsche Volkunseliger Entwicklung Sie, jawohl, Herr StaarsministerDr. Helfferich, Sie und nochmals Sie, einen ausschlag-gebenden Anteil gehabt haben. Daß der Angeklagte an den Sieg des deut-schen Volkes geglaubt hat, wird ihn: niemand verargen, aber es gab eineZeit, wo er so gut wie ich gesehen hat, wie die Sache stand. Es gab eineZeit, in der er seine Kraft in den Dienst des Kampfes gegen den Untersee-bootkrieg eingesetzt hat, eine Zeit, in der in klarer Erkenntnis der Stärkeund Bedeutung des Eingreifens Amerikas alles daran setzte, um den unheil-vollen Entschluß zum unbeschränkten Unterseebootkrieg hintenanzuhalten.Das waren seine guten Tage, und wenn er damals als Mann vonEhre und wirklicher Staatsmann im Januar des Jahres 1917 aus demAmt geschieden wäre, wie es seiner im Oktober 1916 bereits ausgesprochenenNeberzeugung entsprochen hätte, dann hätte er ein Recht, hier vor derNation als Ankläger onszutreten. Dann würde ich ihm die Berechtigungeinräumen, sich auch über mich zum Richter aufzuwerfen, weil ich dann cm^erkennen müßte und mit mir auch die ganze deutsche Öffentlichkeit,, daß erfeiner Ueberzeugung treu geblieben ist, und daß er sein Amt und seinenEinfluß beim Kaiser freudig geopfert hat, als es um das. Höchste des deut-schen Volkes ging. Das aber hat der Angeklagte nicht getan. IHMstand des Kaisers Gunst über allem. Er wollte Kanzler werden, er wollteden Frieden machen, er wollte das deutsche Volk in eine neue Aera hinein-führen. Er brannte vor krankhaftem Ehrgeiz, darum das glatte Versag?!!in den entscheidenden Januartogen des Jahres 1917. Darum hat er imJanuar 1917 mit derselben taschenspielerartigcn Geschicklichkeit, mit der erim Oktober 1916 die Zahlen gegen den Unterseebootkrieg drehte, die-selben Zahlen vor dem staunenden Ausschuß des Reichstages für denUnterseebootkrieg gedreht. Er ist mit der ungeheuren Verantwortung vordem deutschen Volke belastet, daß er wider seine Ueberzeugung seine Einsichtzugunsten der Macht gebeugt und seine Erkenntnis verdunkelt hat, um ander Macht und in der ihn beglückenden allerhöchsten Nähe zu bleiben.
Wer war der Mann?
Wer, ich frage vor aller Welt, hat denn damals den Mut gehabt, alsdas Experiment des Unterseebootkrieges sich mit seinen ganzen verhängnis-vollen Folgen gewitterdrvhend am Horizont abzeichnete, wer hat denndamals den Mut gehabt, dem deutschen Volk die Augen zu öffnen, werhat dies unternommen, allen Anfeindungen und Verdächtigungen zum Troi'.,wer hat den Kampf geführt, obwohl die brutale Macht auf der anderenSeite stand und obwohl mehr als einmal das Damoklesschwert der Schutz-haft Wer ihm hing, wer hat dem armen mißleiteten,'bis in die letzteHütte getäuschten und belogenen deutschen Volk die Augen geöffnet, werhat, nachdem das Friedensangebot unserer Regierungen im November 1916
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