' ") „Freiheit" vom 28. Februar: Von dem. RcgicrungSblock bröckeln imLande fortgesetzt große Stücke nach rechts und nach links ab. und im Grundegenommen sind wir dahin gelangt, daß entweder die nationalistische Reaktionoder die revolutionäre Arbeiterschaft die Hand an das Staatsschiff legen müßten.
v. Gerlach in der „Welt am Montag": Im Zentrum gab es immer einenstillen Kampf zwlfchcn der Rechten und der Linien. -Sie Revolution gab der Liir-kcn das Uebergewicht. Die katholischen Aroeitcrsekretäre gewannen die Ober-hand über die katholischen Grafen. Erzverger, der volkstümliche süddeutscheDemokrat, wurde der Herr des Zentrums. Er ging mit der Linken aus Ueber-zeugung. Jetzt bekommen die Grafen und Großindustriellen wieder Oberwasser.
Der Generalsekretär der deusch-demokratischcn Partei im „BerlinerTageblatt" vom W. Februar: Zudem wäre ein Sturz Erzbergers, der lediglichdurch einen Druck von links erfolgte, keinesfalls gleichbedeutend mit dem dauern»den Ausscheiden dieses Mannes aus dem politischen Leben.
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Aus den Beschlüssen: 4. Den bundesstaatlichen Gmndcharakier des Rei-ches zu wahren. 5. Den monarchischen Gebauten zu Pflegen und die Wiederher-stellung der Monarchie auf legalem Wege grundsätzlich zu erstreben. Alle Ab-geordnete — welcher Partei sie auch angehören mögen —, welche diese Grund-sätze anerkennen, dürfen der Unterstützung seitens des katholischen Adels sicher sein.> ' » .
Wortlaut des Briefes von Müllcr-Fulda: Ursache meines Heutigen istdie Angelegenheit Erzberger. Ich hübe den Prozeß verfolgt und mir eine An-sicht gebildet, die ich Ihnen vielleicht kurz äußern darf. Die meisten Anschuldi-gungen Helfserichs sind entweder Klatsch oder unwahr, vielfach sucht Helffertchseine eigenen Unterlassungssünden Mberechtigterweise Erzberger aufzubürden.Was ich Erzberger zum Vorwurf mache, ist seine Neigung, allen Leuten helfenzu wollen, sein Mangel an Hartherzigkeit. Daher sein häufiges Eintreten fürWünsche Anderer bei den Behörden und daher auch seine Neigung, armen Er-findern mit Geld beizustehen, die ihm oft Verluste brachte. Die meisten der ihmzum Vorwurf gemachten Betc'iligungen sind darauf zurückzuführen, daß er mit-tellosen Katholiken helfen wollte. Ich weiß bestimmt, daß er sich in allen diesenAngelegenheiten nicht von Gewinnsucht hat leiten lassen. Daß Erzberger eini-gen Aüssichtsräten angehörte, mache ich ihm umsoweniger zum Vorwurf, alsandere Abgeordnete, auch r, screr Partei, dies ja auch von jeher getan haben;ick) selbst gehöre zurzeit noch drei Aufsichisraten an, in denen ich allerdings starkeeigene Interessen vertrete. Ich weiß übrigens, daß Erzberger solche Postenöfters ablehnte und Anderen zukommen ließ. Wcmi Erzberger in seinen ge-schäftlichen Untenehmungen von materiellen Beweggründen sich hätte leiten lassen,und sich auf wenige große Sachen beschränkt hätte, würde er viel,mehr erreichthaben und doch besser dastehen. Ich glaube, daß die Zcntrumsfraktion bei Be-urteilung, dieser Angelegenheit die vorerwähnten Umstände mit in Betracht ziehensollte und daß sie auch nicht vergessen darf, mit welcher Opferwilligkcit Erzbergerin den letzten beiden Jahren seine ganze Kraft, seine-Gesundheit und wieder-holt sein Leben für unser Vaterland eingesetzt hat. Deshalb bitte ich, HerrnErzberger die moralische Unterstützung der Fraktion nicht vorzuenthalten. Ichselbst hatte mich dem Reichsbeistand Erzbergers, Herrn Dr. Friedländer, für ein-zelne Gegenstände zm kommissarischen Vernehmung zur Verfügung gestellt, es istaber davon abgesehen worden, Erzbergers Austritt aus dem Ministerium wirdunsere Schwierigkeiten, durch Vereinbarungen mit dem Ausland der wirtschaft-lichen Not abzuhelfen, noch vermehren; ich habe den sehnlichsten, Wunsch, daßeine Lösung gefunden wird, die uns vor weiteren Erschütterungen bewahrt.
^ °°) Gerstenlicrger: Von den Beschuldigungen, als ob Erzberger Steuernhinterzogen oder falsche Angaben über seine Einnahmen gemacht hätte, wikd auchkeine Spur an ihm hängen bleiben. Wer tieferen Einblick in Ne Kreise der Geg-ner Erzbergers gewonnen ha!, 'MM sich nicht verhehlen, daß nicht nur Kapita-listen, welche das ReichSnotopfer fürchten, alles zu seinem Sturze aufboten, son-dern auch diejenigen im Lager des Evangelischen Bundes, welche es nicht ver-winden können, daß Erzberger zielbewußt auch die Katholiken in Stellungen
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