Aktien kraust u»id sich nur Vc-U den Zinsen deutscher ReichZanleihe und preußischerSonsols genährt haben (ob er, der Herm Erzbergsr auch den Schleichhandels-bezug wütttembergischer Lebensmittel mit moralischer EntrüMng vorwirft, sichwährend des ganzen Krieges und auch nachher ausschließlich von seiner Lebens-mittelkarte genährt hat, wagen wir zu bezweifeln) — aber macht -ihn das alleinschon zum Cato? Herr Helfferich ist vorsichtiger gewesen, er war Direktor derDeutschen Bank, bevor er Politiker wurde (übrigens von dem Kanzler sofort zumStaatssekretär berufen und rchcht genötigt, sich auf langwierigen Wegen vorwärtszu bringen), er hatte es nicht mehr nötig, und er, der, wenn auch nicht imPurpur, so doch in Wohlhabenheit und in allen Möglichkeiten bester AusbildungGeborene, sieht nun mit Haß rmd Verachtung aus den Plebejer, der gar nichtshatte, der ein kleiner Volksschullehrer war und nun so viel mächtiger ist als er.Wie kommt Äcrr Helfferich zur Rolle deS Anklägers? Daß einer keine silbernenLössel gestohlen hat, möcht ihn doch noch nicht zum sittlichen Vorbild. Ob erCharakter bewiesen hat neben der Fähigkeit, ob er «den Mut des Mannes hatte,der für feine Ueberzeugung kämpft bis zum Letzten, das wäre zu zeigen. Undda steht Herr Helfferich nackt und bloß. Denn er hat in entscheidenden Augen-blicken des Krieges, als er zur Reitung des Vaterlandes hätte beitraqen können,keinen Charakter und keinen Mut gehabt, und er hat dadurch Deutschland mitwichtigste, nicht das einzige Zeugnis dafür. Dieser Mann, müßte jetzt schweigen,endgültig und vollständig, er hat das Recht verwirkt, dem deutschen Volke einFührer zu sein, weil er der sittlichen Eigenschaften des Führers entbehrt. Undnun beachte man die Art seines Kampfes in diesem Prozesse, als dessen eigent-licher Leiter nach den Berichten er ja erscheint. Er will vor allem Stimmuno,machen, diel mehr als beweisen, er will mit allen Mitteln der Suggestion seinenGegner diskreditieren, ihn, die Demokratie, die Republik , alles das, was er jetztglühend bekämpfen inuß, um seine Eignung zum deutschnationalen Wortführerins Licht zu stellen.
") „Berliner TaoMatt" vom 4. März: Spahns subjektive Wahrheitsliebesoll mit keinem Wort angetastet werden, objektiv wird man nach dem Ergebnisder Beweisaufnahme ihm nicht in allen Punkten folgen.
") Dr. Grabowskh im „Muen Deutschland" vom Januar 20: Erzberger jedoch ist einer der wenigen deutschen Politiler, denen die Empfindung fürPolitik in den Fingerspitzen sitzt. Aus seiner gesunden Nervenverfassung heraushat er den Fehler des allzu großen Optimisnms, aber in diesen Tagen, ivo derschwärzeste Pessimismus einen förmlich überwuchert, ist das am Ende mehr einVorteil als ein Stachteil. Ganz gewiß ist er kein gültiger Repräsentant der Zu-kunft; 'dazu ist er zu realistisch, zu ungeisng-, zu entfernt «den entscheidenen Pro-blemen der Zeit. Er ist ganz ein handfester Mann der Wirklichkeit, aber in die-ser Begrenzung überaus erfrischend. Er hat Mut. den Mut -der eigenen Mei-nung, dio Zivilcourage, die in Deutschland so selten ist. Er pfeift auf den Lärmder Masse und macht — der Allerfleißigst«! — seine Arbeit. Damit ist er, sodemokratisch er auch organisiert ist, letzten Endes doch ein Mensch aus eigenemRecht. Auf joden Fall verkörpert er in feinem Streit mit Helfferich die neue
Zeit: im Verhältnis zu Helfferich ist er Repräsentant eines neuen Regimes.
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") „Welt am Montag", 8. März: Wenn jetzt die Monarchisten auf Reu-wahlen dringen (wozu sie vollauf Recht haben), so wohl nicht in- letzter Linie,um ihren bisherigen wegen „PflMNnenweichlM" abgehalfterten Führer Clemensv. Delbriick durch Helfferich zu ersetzen, der kraft seines Teucherament» auch denWeg über Leichen nicht scheut. Er wird als parlamentarischer Führer derRechten den Einzug in den Reichstag halten. Er will den Befähigungsnach-weis dafür erbringen, daß er der prädestinierte Reichskanzler des neuaufge-bügelten alten Regimes sei.
Die Württembergische Zentru«S--K«rresp»«denz: (Es ist ein) Skandal,daß 'der Mann, der dem deutschen Volke in seiner schwierigsten und unglücklichstenZeit die größten und schwersten Dienst« geleistet hat, s-o behandelt worden ist.wie Erjberg«r.
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