') Der deutsGHemokratische Abgeordnete Haas im „Berliner Tageblakt"do!» 29. Februar: Wir sind uns darüber klar, daß seit Jahr undTag gegen Erzberger eine geradezu verbrecherische Hetze getriebenwurde; wie maßlos sie war, hat das Attentat auf ihn gezeigt; daß Narren undFanatiker dem tapferen Jüngling zujubelten, beweist, wie stark die Vergiftungum sich gegriffen hatte. Ernsthafte Menschen erzählten, „aus guter Quelle" zuwissen, daß Erzberger von England bestocheir sei, >dasz er die ihm zu Propaganda-zwecken vom Reich anvertrauten Gelder unierschlagen habe, daß er viele Millionenin der Schweiz im Depot liegen habe. Die Schamlosigkeit ging so weit, daß man
sogar die verstorbene Mutter Erzbergers mit Schmutz beWarf.
- „ . ^ . , . v
„Vorwärts" vom 5. März: Der Staatsanwaltschaft aber kann der Vor-wurf nicht erspart bleiben, daß sie in parteipolitischem Eifer weit über das Zielhinausgeschosscn ist und Erzberger viel schlechter gemacht hat, als er ist.
v.'Gerlach in der „Welt am Montag" vom S. März: Rechter .Hand, linkerHand, alles vertauscht! Alle Shmpathien der Staatsanwaltschaft neigten siKHerrn Helfferich, dem Oppositionsmanne zu, alle Schärfe der Kritik kehrte sichgegen das Regiemngsmitglieo Erzberger.
„Neue Berliner" vom 4. März: Herr Oberstaatsnwalt Krause kennt dasParlament nicht. Weder bas deutsche noch das anderer Länder. Würde er jeeinen Blick in die Politischen Werkstätten von Paris, London, Rom oder Washing-ton getan haben, so würde er sich bewußt gewesen sein, welch ein homerisches Ge-lächter seine Gcdankcngänge überall auslösen müssen, wo man weiß, baß Politi-ker mitten im Leben stehende Männer des Kampfes sind, nicht aber auf festesGehalt gesetzte Aetheriker,
»
„Neue Berliner" vom 4. März". Mit Demokratie, die doch hoffentlich mitbürokratischer Willkür und Einbildung nicht identisch ist, hat das ganzG Verhaltendes Herrn Oberstaatsanwalts wahrhaftig nichts zu tun.
") „Welt am Montag" vom 1. März: Der Angeklagte Helfferich erschienvoni ersten Tage an als Ankläger ^- dank dem Landgcrichtsdirektor Baumbach,Herr Baumbach regimit, msis nc gc>uv«rnsit pss. Der Vorsitzende saß ausdem Platz des Vorsitzenden, aber .Herr Helfferich regierte die Verhandlung. Ertrat auf als äomimis Ütis, als Herr der Situation. Dieser übelste Vertreterdes alten Regimes durste sich alles erlauben.
Das „Berliner Tageblatt" vom 24. Februar: Heute ist der 13. Verhand-lungstag und heute noch, wie am ersten Tage, hat der Angeklagte die-Gewohn-heit beibehalten, Zeugen zu unterbrechen und Feststellungen, die in das Plaidoyergehören, meist in der Form persönlich zugespitzter Bemerkungen mitten in derBeweisaufnahme zu treffen. Es ist dem Vorsitzenden bis heute nicht gelungen,diese Gewohnheit des Angeklagten, für die ein Präzedenzfall auch in der Ge-schichte der politischen Prozesse kaum gefunden werden kann, wenigstens einiger-maßen den Regeln des Strafprozesses anzupassen. /
i°) Die „Schwäbische Tagwart": Konnte nran bei der Rede des Oberstaats-anwalts Krause noch im Zweifel darüber sein, ob aus ihr ein echtes Gefühlfür Reinlichkeit im Staatskben oder Parteilichkeit gegen den Nebenkläger sprach,so hörten .bei der Rede des Ersten StaatSanwalts von' Clausswitz alle der-artigen Zweifel auf. Diese Rede war geradezu ein Skandal, sie strotzte vonGehässigkeit gegen Erzberger, sie war ein Ausbruch von deutschnationalemFanatismus und in keiner Weise ein Versuch, über einen verwickelten Tatbestandein gerechtes Urteil zu gewinnen.
»
") In ihrem Leitartikel vom 25. Februar sagt die „Frankfurter Zeitung "Es ist eine der unglaublichsten Erscheinungen unserer Tage und ein Beweis fürdie moralische Verwirrung ebenso wie für die politische Jnstinktlosigkeit ganzgroßer Schichten unseres Volkes^ daß .Helfferich jetzt diese Rolle spielen darf.Herr Helfferich wird während sein« Amtszeit keine Geschäfte gemacht, keine
77