berger kommt heilte ins Amt. Er weiß wieder was auf wen.' Zähne knirschten,Fäuste ballten, Exzellenzen tummelten sich. Diesen Krhpto-Parlamentarismus hater erfunden. Und in, Kriminalgericht nun die kalte Rache Gequälter ausgekostet.
-) Karl Neuß in „Die Zeit am Montag" vom 1. März: Ein wirtschaftliches
Erdbeben schüttelt unser Land, und just in diesem Augenblick macht ein Vor-kämpfer des alten Ncgimes dem leistungsfähigsten Arbeiter des. neuen den.politischen Prozeh mit dem Endziel, sich oder doch wenigstens seinesgleichen an 'des Erledigten Stelle zu setzen. Der Kampf «gegen Erzberger ist ein Vorposten-gefecht, ist gewissermaßen die Eröffnung der Feindseligkeiten seitens des reak-tionären Heerbanns gegen die Republik . Erzberger ist Helfferich zu demokratisch.Wenn der Mann ein geheimer Monarchist und Reaktionär wäre, würden wirüber seine private Geschäftsgebarung nicht jene Einzelheiten erfahren haben,mit -denen wir seit Woä>en gefüttert worden sind. Nein, sein Verbrechen ist einganz anderes. Es besteht darin, daß er seine behende Kraft für die Konsolidie-rung der heutigen Republik einsetzt, daß er es überhaupt wagt, dem arbeitender!Volk ein Kompromiß anzubieten, anstatt ihm den Fuß auf den Nacken zu setzen.Damm mutz Erzberger fallen. Es soll einem schärferen Wind Tür und Fenstergeöffnet werden. Die Reaktion fühlt sich. Ihre Stunde ist nahe.
') Martin Beradt im „Tagebuch" v. 6. März: Wiederholt habe ich Damen,die mich um Rat fragten, wie sie sich gegen eine ihnen angetane geschlechtlich-!Beleidigung schützen sollten, abgeraten, die Gerichte anzurufen, ihnen erklärt,eine Dame könne auf das schimpflichste beleidigt sein, aber es gäbe keine Mög-lichkeit für sie, eine Beleidigungsklage anzustrengen, von dem Augenblick an, wosie dennoch vor den Richter trete, wäre sie keine Dame mehr. Und wie eine Damesich nicht über ihren Ruf und über die Unanfechtbarkeit ihrer Tugend öffentlichauseinandersetzen kann, so kann es auch kein Mann von Rang.
„Berliner Volkszcitung" vom 11. März: Im Kampf gegen Erzberger hatder Dicbstahl amtlicher Akten eine so hervorragende. Rolle gespielt, daß voneiner Verwilderung der Beamtenmoral mit Fug und Recht gesprochen werdenkann. Man untersuch« daraufhin das Material Helfferichs, und man wird ent-setzt sein. ^
°) „Schlestschc Volkszettuna", 26. Februar: Von vielen Seiten richtet sichdie Hetze formell zwar gegen Erzberger , in Wahrheit aber gegen das Zentmmund die Katholiken überhaupt, wie dies auch schon in früherer Zeit geschehen ist,als man oen sogenannten Ultramontanismus im Zentmm bekämpfte.
„Bichishausen ", 2. März: Auf die Behauptung des Lmchrturm vomJuni 1S20, Erzberger sei jüdisch geboren und beschnitten und erst im Kindes-alter katholisch getauft, sah sich das für Buttenhaufcn zuständige kathol. Pfarr-amt zu folgender Verüffen-tlichung veranlaßt!
Matthias Erzberger ist geboren ben 20. September 1875 in Butten-hausen und den 22. September 1875 in Bichishausen katholisch ge-tauft worden. Der Vater des Ministers stammt wie Groß- und Urgroß-vater, die katholisch waren und rein katholisch sich verheiratet hatten, ausdem katholischen Gundelfingen; den 29. April 1873 verehelichte er sich mit derkatholischen Katharina Flad von Buttenhausen, wohin er nach der Hochzeit zog.Der Vater des Abgeordneten war ein guter, praktizierender Katholik und vonder evangelischen und jüdischen Bevölkerung von Buttenhausen sehr geachtet,weshalb er daselbst zum Gemeindepfleger gewählt wurde. Auch die Mutter wareine sehr geschätzte Frau und Katholikin. Dies zur allgemeinen Bekanntmachung,Hochachtungsvoll Kath. Pfarramt: Pfarrer Schmid.
Der Abgeordnete Haas in der „Hilfe": Auch wirkt die alte Kampfstellunggegen oaS Zentrum nach, vielleicht spielt sogar ein alter religiöser Gegensatzhinein. Erzberger ist Katholik, überzeugter Ultramontancr, ZentrumSmann vomGrat bis zur Sohle und ebendics gibt oft Anlaß zu allen möglichen Kombi-natiznen.
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