VIII
den unsere innerste Herzensansicht hinaus und em-pfangen sie zurück von Unzähligen unserer Mitleben-den. Dem Menschenbeobachter will es oft thöricht er-scheinen, dass wir mit Vorliebe nach den Blätterngreifen, die unserer eignen Meinung dienen. Machte ersich klar, wie die Zeitung mit an die Stelle von GottesWort getreten, wie die Weltangelegenheiten der Inhalt un-serer religiösen Anschauungsform geworden, so würde ersich sagen, dass dies mit Nothwendigkeit so zugeht; dassnicht Wiss- noch Neubegierde, sondern Gattungs- undHerzensbedürfnisse uns dabei treiben, dass der Mensch,der nach der Zeitung seine Hand ausstreckt, geleitetwird von dem Trieb, seinen Glauben zu kräftigen, seinenGeist zu erheben zu dem was ihm hoch und heilig ist,und darum in seiner Zeitung lesen will, wie er vor-dem in seinem Buche betete. Ein schlechtes Geschäfthat bei diesem Tausch das Publikum nicht gemacht.Für ein Lumpengeld geben wir Journalisten ihm comp-tante, verständliche, unersetzliche Waare, Welten vollThatsachen und Erkenntnissen da wo ihm die Prie-sterschaft vormals um theuren Preis bedenkliche Wech-sel auf die Sterne verkaufte. Und von bonzenhafterAnmassung kann uns dabei so wenig beikommen, dasskein Sterblicher mehr als wir das Gefühl von derFlüchtigkeit und Vergänglichkeit seines Wirkens mitsich herumträgt. Das Beste, was wir aus Hirn und