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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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sich die Majorität noch so schlecht aut einander ein-exercirt, dass die Einen im Trab voranliefen, währenddie andern sich besinnend still standen, so dass damitauch die Haupttruppe in der Mitte in Unordnung ge-rieth und der gemeinsame Feind Zeit und Platz fand,Alles in einen dummen Tumult aufzulösen. Wie ichspäter mit unserer Weinfrage kam, hatte man sichschon etwas besser auf einander eingeübt und dieNichtwoller suchten uns vergebens von vorn und vonhinten aus einander zu locken. Jenes erstemal waraber der Versuch ins Wasser gefallen, vor Deutsch-land und der Welt aktenmässig festzustellen, dassdas Zollparlament sich als eine politische und dereinstzu grösseren Dingen berufene Vertretung des deutschenVolkes betrachte. Viele von uns waren sehr nieder-geschlagen darob, und leugnen liess sich ja nicht: alleschadenfrohen Widersacher innerhalb und ausserhalbunserer Grenzen mussten sich dadurch ermuthigtsehen. Mag man immer sagen:Worte sind doch nurWorte! Worte sind aber auch ausgesprochene Gedanken,und ohne zu denken kann man nicht wollen, und ohnezu wollen, kann man nicht handeln. Nur die, welcheder Gedankenlosigkeit der Nationen huldigen, bemühensich den sogenannten Parlamentarismus in Verruf zubringen. Aber war es auch schlimm, dass gewisser-massen die Versammlung beim Eintritt in ihr Be-