39
unserer Sinnesweise dienstwillig, ist das närrische Wortschon ganz mundgerecht. Man muss ihm in einerUebersetzung, z. B. als Parlament douanier wiederbe-gegnen, um von Neuem über das sonderbare Geschöpfstutzig zu werden, velches mit dem kolossalen Leibund dem winzigen Kopf einherwandelt. Dies und Aehn-iches braucht uns aber dermalen wenig anzufechten,weil es eingestandener Maassen auf der allseitigen still-schweigenden Uebereinkunft beruht, dass wir mit einemabenteuerlichen Nothbehelf vorlieb nehmen wollen undmüssen bis das bessere Definitivum gekommen sein wird.
Umgekehrt jedoch verhält es sich mit der Gewohn-heit, die wir über Nacht einschmuggeln liessen, vonNord- und Süddeutschland als politischenGegensätzen zu sprechen! Wenn hier nicht schleunigfür Gegengift gesorgt wirdi, sind wir in Gefahr, unseinen bleibenden Schaden zuzufügen. Seit wann, um’sHimmels willen, kennen wir eine politische Ein-theilung in Nord- und Süddeutschland? Wann in allerWelt hat dieser Gegensatz bei uns eine politischeBedeutung gehabt? Bei allen unseren Sondergelüstenhaben wir von dieser Anwandlung uns bisher frei zuhalten gewusst, und war einmal von solcher Scheidungdie Rede, so geschah es allenfalls, wenn das Gesprächum die Dinge des Gemüths sich drehte, um häuslicheoder ländliche Sitte. Unsere Erbkrankheit, welche