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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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darin besteht, den kleinen Geist der engsten Kreisein den Staat hineinzutragen, hatte sich bis jetztwenigstens nicht dahin verirrt, zwischen den Gegenden,wo die kalte Schale und denen, wo die Dampfnudel zuHause ist, zwischen den Ländern der gesalzenen undder ungesalzenen Butter, zwischen dem Sonnabend unddem Samstag eine nationale Demarkationslinie zu ziehen.Gerade die Geschichte unserer Sprache schien es zuverbieten, denn die hochdeutsche Mundart, welche imSüden geboren ist, wurde mit der Zeit vorzugsweisedas Eigenthum des Nordens; norddeutsch und hoch-deutsch sprechen, bedeutet bei uns im Volk dasselbe.Sogar die wirkliche Demarkationslinie von 1795, welchedie Trennung an der Maingegend in die Geschichteeinführte, hat ihrer Zeit durchaus keinen bleibendenWerth beansprucht, sollte nichts sein als eine Neutra-litätsgrenze während der Dauer eines Kriegs; übrigensfiel sie nicht mit der heutigen Mainlinie zusammen.

Den letzten Wochen erst, ja recht eigentlich demZollparlament war es Vorbehalten, dem Unfug dieserSpaltung eine gewisse Solidität und Weihe zu geben.Hörte man da so selbstverständlich in Einem fort vonNord und Süd reden, so hätte man wahrlich glaubenkönnen, Professor Karl Vogt habe nach anatomischerUntersuchung herausgefunden, dass die Ragen nördlichund südlich des Mains von zwei ganz verschiedenen