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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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über die Frage der deutschen Einheit entschieden werden.Ich glaube zwar, die Lösung der Frage steht selbstüber dem Volkswillen, der an ihr ebenso wenig et-was all- oder zudekretiren kann, als an dem Einmal-eins. Aber setzen wir einmal den Fall, von dessenConsequenzen wir gar nichts zu fürchten hätten. Könnteeine solche Frage anders beantwortet werden, als durchZählung der Ja und Nein aller Deutschen? WollenSie einzelnen Landschaften in der Mitte oder an denGrenzen die Freiheit lassen, ein Loch in der Mitte oderin die Grenze Deutschlands zu bohren? Und wennSie die Selbstherrlichkeit der Bayern anerkennen, warumnicht auch die der Lichtensteiner ? Wenn Bismarcksagt:wir wollen die Süddeutschen nicht zwingen, somüssen Sie nicht vergessen, dass er Minister der aus-wärtigen Angelegenheiten ist. Wir aber dürfen vonRechts und Volkswegen eine solche Sprache nicht auf-kommen lassen. Wir müssen den Gedanken mit derWurzel ausrotten, dass neben, ja sogar über dem Willender Mehrheit der Deutschen noch einige besondere süd-oder norddeutsche Willensherrlichkeiten stehen. Schonin der blossen Angewöhnung an eine solche Redeweiseliegt eine grosse Gefahr, vor Allem dem Auslande gegen-über. Und davon will ich in meinem nächsten Briefe reden.

Ihr ergebensterLudwig Bamberger.