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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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zehnen der Ausfall der Abstimmung von ihnen abhängt.Parlamentarisch wirksam sein, heisst die Regierendenzwingen, sich den Ansichten parlamentarischer Parteienzu fügen. In Deutschland hat man das aus den Augenverloren, weil von jeher die Regierungen allen Kam-mer-Majoritäten verachtungsvoll den Rücken zuwandten.Sie brauchen ja nicht weit zu gehen, um Staatsministermit unbewaffnetem Auge zu entdecken, welche denLandtag- noch vornehmer als Ludwig XIV. behandelten,Minister, die nicht etwa mit der Reitpeitsche erschie-nen, sondern ganz und gar nicht erschienen, wenn dieKammer nicht parirte und ihr in stillschweigender Ver-achtung zu verstehen gaben, sie möge sich gereitpeitschtfühlen, wie man in der Junkersprache sich ausdrückt.Unter solchen Bewandtnissen ward natürlich jede Majo-rität ein Spott über sich selber, und es blieb ihr nichtsübrig, als, nicht für die Regierung zu sprechen, welcheihr doch kein Ohr lieh, sondern theoretische Vorträgefür die Zuschauergalerie und das zeitungslesende Publi-kum zu halten. Da man dabei von vornherein aufjedes praktische Resultat in der Handhabung des Staats-ruders verzichtete, kam es den Abgeordneten auch sehrnatürlich, sich um die Frage zwischen Erreichbaremund Unerreichbarem gar nicht zu kümmern. Man tragalso möglichst dick auf, um so mehr, je mehr man

durch die frivole Missachtung seitens der Herren Mini-

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