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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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des Staatslebens interessiren, so werden Sie unserenationalen Gesinnungsgenossen im [Reichstag stets imVordergrund, die ersten und die letzten, wie die ein-flussreichsten hei den Verhandlungen finden. ImZollparlament müssen Sie sich diesmal noch mehr alsim Reichstag auf recht hausbackene Kost gefasst ma-chen. Schon die Weise der Eröffnung deutet das an.Kein König, kein Kanzler waren dabei. Herr Delbrück der Vorsitzende des Bundeskanzleramts, besorgte dasGeschäft. Ich wollte wetten, die Wenigsten von Ihnenwissen Beseheid, welcher Unterschied besteht zwischendem Bundeskanzler und dem Vorsitzenden des Bundes-kanzleramts. Nun denn, der Kanzler ist Graf Bis-marck, der vielgepriesene, vielgescholtene Testaments-vollstrecker aller im unschuldigen Kindesalter verstor-benen deutschen Revolutionen, noch stets behauptend,dass er einst vom Oberrechnungshof der Weltgeschichteeinen vollständig entlastenden Quitus für die Besor-gung seines Mandats erhalten werde. Der Vorsitzendedes Kanzleramts ist Herr Delbrück , man könnte sagender Maschinenmeister und Werkführer des eigentlnim-lichen Apparats, welchen Graf Bismarck sich auf seinenLeib gebaut hat und welcher dereinst wird zerschlagenwerden müssen, wenn er von ihm lierabsteigt. So wieder Apparat über den Main hinübergeht, müssen alledarauf befindlichen Beamten die Zollmaske vors Gesicht