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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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gestrengter Aufmerksamkeit, vielfacher Spannung undGemüthsbewegung an schwierigen Gesetzgebungsarbeitenschaffen, Arbeiten, welche ausser dem Fleiss der Sitz-ungen den noch viel strengeren Fleiss der Vorberathungenin den Parteien und Abtheilungen erheischen. RechnenSie dazu, dass die meisten Abgeordneten eben so langeihrem Beruf, ihrer Familie, dem regelmässigen Lebenentzogen sind, und Sie werden begreifen, wieviel Kraftund Geduld der Mensch noch im Vorrath besitzen kann,wenn im achten Monat von ihm verlangt wird, er solle nunein neues Feld in Angriff nehmen, neue Fragen prüfen,neue Streitigkeiten durchfechten! Gerade die, welchevon Anbeginn am meisten gearbeitet haben, sind dannam Ende ihres Kraftvorraths angelangt, und damithängt es zusammen, dass dieses Mal die Reihen -derUnsrigen fühlbarer gelichtet waren als die der anderenParteien. So kam es, dass eine der wichtigsten Fragenunseres nationalen Haushaltes trotz der allgemeinenUeberzeugung von ihrer Wichtigkeit und Dringlichkeitnur mii einem flüchtigen Worte am Schlüsse berührtwerden konnte. Diese Frage und Alles, was damitzusammenhängt, Ihrer Aufmerksamkeit zu empfehlen,sei die Aufgabe meines nächsten und für diesmal letztenBriefes.

Ludwig Bamberger .