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schwinglich viel Kraft und Zeit. Sie haben gelesen,dass ein Abgeordneter verlangte, man möchte in Zu-kunft die dem Zollparlament zu unterbreitenden Vor-lagen lange genug voraus mittheilen, dass es diesel-ben auch zu studiren Zeit habe. Ein Anderer begehrtemit nicht geringerem Recht, dass sein heimischer Land-tag nicht zugleich mit dem Zollparlament Sitzunghalte. Er hätte dabei — wäre man nur etwas mehrzum Lachen aufgelegt gewesen — an jenen zur Eileangetriebenen Irländer erinnern können, der in seinemUnmuth ausrief: .,Icli bin doch kein Vogel, dass ichan zwei Orten zugleich sein könnte!“ Wie ist aber beider bunten Musterkarte von Kammern und Parlamen-ten diesem Missstand zu entgehen?
Und dennoch ist derUebel grösstes nicht einmal dieseathemlose Uebereilung, sondern das Schlimmste ist dieMüdigkeit der Theilnehmer, mit welcher das Zollpar-lament unvermeidlich schon zweimal zusammentraf. Vonden dreihundert Mitgliedern des Nordens hatten, da wiram 3. Juni in Berlin ankamen, die meisten und jeden-falls die hervorragendsten seit dem November in Berlin getagt. Zuerst von November bis März im preussischenLandtag, sodann von März bis Juni im Reichstag.Und nun denken Sie sich, was es heisst, sechs bissieben Monate lang Tag für Tag in einem Raum mitmehreren hundert Menschen, bei schlechter Luft, an-