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überzuleiten. Demgemäss ward eine Petition übergebenbegleitet von zwei höchst gründlichen und lehrreichenDenkschriften. Im Schoosse des Zollparlaments selbstwar die Geneigtheit gross, sich mit der Sache zu be-fassen. Hier, vielleicht zum ersten und einzigen Male,bot sich ein Gegenstand dar, welcher nicht streng indie Kompetenz gehörte und welcher dennoch auch beiden süddeutschen äussersten Parteien eines guten Em-pfanges gewärtig sein konnte. Denn der deutscheSüden jeder Farbe ist der Münzreform, der Gold- undDezimalwährung hold*). Also war auch hier ein Werk desFriedens und des Gedeihens zu unternehmen.
Zu allen diesen guten Vorbedingungen geselltesich noch eine dritte. Die Fraktion „Mainbrücke“hatte ihr ganzes Dasein vorerst der Unterstützung derMünzangelegenheiten gewidmet. Sie haben wohl vonder Fraktion „Mainbrücke“ gehört? Ihren Namen ver-dankt sie keinem geringeren Pathen, als dem populärstenManne des Südens, dem Abgeordneten Volk. Die Sacheverhielt sich so: Das vorige Mal schon und diesmalwieder, machte eine Verbindung viel von sich reden,welche sich nannte: „Die süddeutsche Fraktion“. Der
*) In der dritten Session (1870) hat die Parthei der „unver-söhnlichen Particularisten“ auch dieses Vertrauen in ihren Men-schenverstand Lügen gestraft. Sie hielt sich für verpflichtet, auchgegen die Münzreform zu stimmen!