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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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Name schien zu bedeuten, dass alle Abgeordneten vonsüdlich des Mains hier vereinigt wären. In Wahrheitaber hatten sich unter diesem täuschenden Namen nurdie zusammengethan, welche den zornigen Kampf umNahrung und Erhaltung der deutschen Zwietrachtund Zerrissenheit bis zum letzten Augenblick zukämpfen sich verschworen haben, die Pfaffenpartei näm-lich und die in deren Schlepptau fahrende Volksparteiaus Würtemberg, Baden und Bayern . Diesen nun eineVerbindung der übrigen Süddeutschen gegenüber zustellen, gefiel allen denen, welche Deutschlands Heilnicht von dem eigenthümlichen Lebenstrank erwarten,der aus dem nächsten römischen Concil und der näch-sten französischen Revolution soll zusammengebrautwerden. Und da es auch unter diesen Freunden derguten Sache an Schattirungen nicht fehlen konntejeder deutsche Politiker hätte ja eigentlich das Bedürf-niss, sich wieder in drei Fraktionen seiner selbst zuspalten, so suchte man nach einem ausserhalb allerlandläufigen Losungsworte gelegenen Namen.

So erfand Volk dieMainbrücke. Ich war nichtzugegen bei der Taufe, glaube aber kaum, dass sie mitWasser vollzogen worden. Diese Fraktion nun von bei-läufig dreissig Mitgliedern widmete sich diesmal vornehm-lich der Münzfrage und beschloss nach mehrfachen sehrlebhaften und gründlichen Berathungen, das Programm

Bamberger , Zollparlameatsbriefe. 5