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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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begründen. Wie stünde es mit den beträchtlichstenNahrungsangelegenheiten des Landes, wenn dieses bur-schikose Schwänzen allgemeine Regel würde? Oderachten Sie auf die Posse, welche seit geraumer Zeitals Sturm auf die Militärverfassungen zur Aufführungkommt. Bayern, heisst es da, und Württemberg sollen andie Stelle einer regulären Armee irgend ein Schützencorpssetzen, welches, lieblich anzuschauen, daher käme überBerg und Thal mit dem Pfeil und Bogen früh im Mor-genstrahl. Dumm sind bekanntlich die geehrten HerrenAntragsteller nicht. Sie wissen so gut, wie Sie und ich,dass solche lobesame Miliz einem Angriff von aussennicht von Sonnenaufgang bis zum ersten Frühschoppenwiderstehen würde. Ihre Rechnung ist vielmehr diese:Der Norddeutsche Bund hält ja ein Heer, das stark ge-nug ist, Deutschland zu schützen; weshalb sollten wiruns die Last auflegen, eine Armee zu bezahlen, Kriegs-dienst zu thun; weshalb sollten wir uns den Ruhmversagen, dem Militarismus einen allzeit gern gesehenenFusstritt zu versetzen? Kommt die Stunde der Gefahr, wirdMoltke auch schon für Süddeutschland sorgen. Notabene:so rechnen noch die Anständigen von der Gesellschaft.Denn ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass es danebennoch andre Rechner giebt die in der Stille ihres Herzensdenken: die deutsche Nationalität sei, genau besehen, eineSache des Vorurtheils, und gewisse zeitliche und ewige An-