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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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gelegenheiten würden etwa auch unter der SchirmvogteiFrankreichs ganz wohl versorgt sein. Endlich spielt nocheine dritte Sorte mit, eine sehr verbreitete. Diese calculirtwie folgt: Mit unseren Redensarten und Adressen, wohlver-standen, werden wir selbst beim angestammten, engerenLandesvater und seinen Rätlien nichts ausrichten; aberes steht doch immerhin schön vor den Wählern, dieAbschaffung des Militärs verlangt zu haben. DieseTaktik ist ja auch jenseits der bayerischen und schwä-bischen Grenzpfähle nicht unbeliebt. Um sich vielFreunde zu machen, ist nichts einfacher, als möglichstM r eit zu gehn. Tritt einer auf und sagt: Es müssenzehn Groschen vom Thaler Steuern gestrichen werden,so steht er sicher da als ein edler Mensch; kommtdann ein zweiter hinterher und begehrt der Groschenzwanzig zu streichen, der ist natürlich ein noch vieledlerer als der vorhergehende. König Heinrich derVierte von Frankreich schuldet einen guten Theil seinerVolksbeliebtheit dem ihm nachgerühmten Ausspruch:Von Rechtswegen sollte jeder seiner Bauern des Sonn-tags ein Huhn im Topfe haben. Geliefert hat er dieHühner nicht, und die Bauern waren unter ihm, wienach ihm, auf schmale Kost gesetzt; aber dass er denAntrag auf das Huhn im Topf gestellt, das weiss ihmnoch heute die späte Nachwelt Dank. Im Munde einesallmächtigen Königs hat übrigens der blosse Wunsch