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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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Anstrich ist verschieden, innerlich sind es dieselbenPersonen; in der Dunkelheit würde man einen Stutt-garter Königs mörder nicht von einem Passauer Capu-ziner unterscheiden können, und die schwäbischen Ja-cobinermützen sind nur baumwollene Nachtkappen, welcheroth gefärbt worden. Vielleicht habe ich selbst einmalbehauptet: die Verkoppelung der Demagogie mit demJesuitismus sei widernatürlich, Irrthum, ungerechterVerdacht! Der mittelmässigste Maler würde mit einemPinselstriche aus einem solchen Demagogen einen Je-suiten machen und umgekehrt; der Jesuit treibt De-magogie und der Demagoge treibt Jesuitismus undzwar jeglicher mit gleicher Herzenslust, jeglicher mitgleichem Talente. Beide vereinigen sich in ihrer An-tipathie gegen den Staat, das grosse Gemeinwesen,welches sich von ihrem persönlichen Getriebe wederbefriedigen noch beherrschen lässt, theilen sich wonnig-lich in den heimischen Spielplatz sogar mit ihren Mini-stern, wofem diese nur gesonnen sind, den Krakehl inden Grenzen der angestammten Mundart zu halten.Dies, geehrte Herren, ist die nackte Wahrheit über denStand der Dinge zwischen dem, was man jetzt in Deutsch-land nationale Partei nennt und allem Uebrigen, wassich unter mannigfachen Vermummungen bald als po-litischer, bald als religiöser Fanatiker, bald als unter-würfiger Fürstendiener, und häufig als ein Gemisch