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besonderen Hausschlüssel dazu haben könnte, etwawie er in der Stammkneipe sein Deckelglas und seinePfeife hat. Die Scheu des Philisteriums vor der wei-ten Weltluft ist der geheime Trieb der deutschen Son-derbündler. Welch ein Glück, dass es den Gegnernnicht gelungen ist, Deutschlands Zukunft mit dem öster-reichischen Auflösungsprozess zusammen zu koppeln!Nur durch die gegenwärtige Zersetzung könnendie Deutsch - Oesterreicher mit uns vereinigtwerden. Ich kann mir das Vergnügen nicht versagen,Ihnen als Schluss dieser Rückschau aus einem Briefe,welchen ein seit Jahren im Herzen des Kaiserstaateswohnender Freund mir von daher schreibt, eine Stellemitzutheilen. Wie Sie bald erkennen werden, ist ernichts weniger als national-liberal, er ist freilich auchkein grossdeutsclier Berserker, sondern eher ein lachen-der Philosoph, der uns anderen politischen Menschenmit unparteiischem Humor zusieht. „Mir gefällt es,“so schreibt der Schalk unterm 4. Api’il d. J., „hier inOesterreich sehr gut. Das Ganze treibt so schön demUrideale der Anarchie zu; es ist Alles so unmöglichund so möglich zu gleicher Zeit, rundumher der hei-terste Wirrwarr. Kein Mensch weiss, wer Koch nochKellner, weil jeder beides zugleich ist. Die Staatsideeund das Staatsbewusstsein treten nicht bei jeder indi-viduellen Regung hindernd in den Weg. Niemand