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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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will die Zukunft regeln, weil keiner auch nur auf dennächsten Tag denkt. Das Ganze kommt mir vor, wiedie Umgegend von Neapel , wo die Neuzeit nach Be-lieben ihre Häuschen in die Ruinen hinein klebt, un-bekümmert um Solfatara, Montenuovo und Vesuv inder Nähe. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nachtmit dem Obotritenlande, wo Alles zuerst an den Staatund zuletzt an sich denkt, wo der Staat reich unddas Individuum arm ist, wo der Reichstag vor allenDingen ein Strafgesetz discutirt, damit ja der preussi-sche Grundsatz:Strafe muss sein und die preussi-sche Maxime:jeder soll nach Verdienst bestraft wer-den gleichmässig über ganz Norddeutschland sichausbreite. Sogar wenn man sich gegenseitig todtschlägt, was nächstens in der österreichischen Monar-chie geschehen wird, geschieht es mit einer gewissenBonhomie und Heiterkeit für den Todtgeschlagenenbleibt freilich das Resultat dasselbe.

Soweit der Verfasser des Briefes, aus dessen Auf-treten Sie errathen mögen, dass er vermuthlich einenNamen von gutem Klang trägt, wie auch', dass seinZeugniss auf Glaubwürdigkeit Anspruch hat. Sie sehen,nebenbei, wie es Unsereinem Freude macht, auch mitAndersmeinenden auszukommen, wenn sie weder bor-nirt, noch aufgebläht sind. Vor Allem aber sehenSie, wie glücklich der Augenblick gewählt ist, um das