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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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noch ist es, ihm jeden Augenblick die letzten Räthselder Staatsphilosophie zur Auflösung vorzulegen, undwir werden behaupten dürfen, dass dermalen unsereWege der richtigen Mitte näher zu liegen, als die un-serer Nachbaren. Warum wirft Napoleon III. jetztdiese allgemeinen Fragen der politischen Weisheit indie ihnen unebenbürtige Masse hinein? Offenbar dochnm', weil ihn gelüstet, die Bahn des sachlichen Fort-schritts, in welche er auf eine kurze Zeit hineinge-zwungen worden, wieder zu verlassen: weil er unge-duldig das Joch eines parlamentarischen Regimentstrug, welches zu gesunder Werkthätigkeit statt zu fal-schem Blendwerk führen musste. Die neue Constitu-tion mit ihren fünfundvierzig Artikeln, das Plebiscitselbst ist ihm nur Mittel zum Zweck, nur Vorwand.Der leitende Instinkt hat es auf die Wiederherstellungder Herrschaft der leeren Floskel an der Spitze desStaates abgesehen. Von Neuem wird man sich gegenjeden Einwurf mit der Berufung auf die höchste Wil-lenserklärung des Volkes in Sachen des Princips ver-theidigen können. Die scheinbar guten Vorsätze einerkurzen bescheidenen Besserungsperiode weichen denMissbräuchen der schlechtesten Zeiten. Plumpe Ta-schenspielerkünste, grobes Marktschreierwesen, offenerBetrug verbinden sich, um die Komödie der Volkssou-veränetät auszustaffiren, welche doch nur dem Hofe