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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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man ja dem Parlamentarismus am meisten zur Lastgelegt, dass er ein unerspriesslich Widereinanderstossender entgegengesetzten Ansichten liefere und schliesslichkein Redner den andern überzeuge. Und wenn er sichvon diesem Vorwurf einmal reinigt, wenn er Wegefindet, die zur Verständigung führen, (Verständigungkommt her von Verstand), dann glaubt solch ein Frei-heitsmann es seiner Ueberzeugung schuldig zu sein,im Geiste des Fortschritts zu protestiren. Aber worauswerden nicht Menschenrechte destillirt, wenn eine alteWahlperiode zu Ende geht und eine neue beginnt! Wie dieChemie aus Hobelspänen Zucker machen kann, wirddann aus den dürrsten Stoffen Süssigkeit für den Wäh-ler gesotten; jedem Wahlkreis wird aus der Bank, anwelcher sein Abgeordneter sitzt, wie in AuerbachsKeller , der edle Wein gezapft, den er sich nur bestellenmag. Und weil das funkelnde Nass der grossen Grund-sätze dermalen noch das beliebteste Getränk so mancherWählerschaften ist, deswegen werden Sie noch eineZeit lang die Baumwollenwaaren theurer bezahlen,als es die Absicht der Regierungen war, da sie denTarif vorlegten.

Wenn Sie, meine Herren, mehr Wohlgefallen habenan einem Parlament als an einem Plebiscit, an einemfruchtbaren Resultat als an einer unfruchtbaren Ueber-zeugung in Wirthschaftsfragen: so machen Sie sich