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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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Interesse und die Absicht, dass ein Unglück passire.Lasset uns denn Gründe und Gegengründe von solcherstörenden Beimischung ablösen: Was bleibt als dieletzte innere Wahrheit? Die Krone des Regenten hältes für ein sittliches Gebot zu tödten; die Krone desVolkes hält dies für ein sittliches Verbot. Zwischendiesen zwei Bedenken scheint mir der Unparteiischenicht zaudern zu können. Formal mögen sie ebenbür-tig einander gegenüberstehen; an innerer zwingenderKraft sind sie durchaus nicht mit einander vergleich-bar. Die Stimme, die einem Menschen zurufttödte!kann nie so mächtig sein als die, welche ihm zuruft:tödte nicht! Wenn ich nach Menschengefühl michentscheiden muss, mit wem ich, in meiner Ungewiss-heit, eher zu irren mich aussetzen soll, so ergreife ichgewiss die Hand, welche rein bleiben will vom Blut.Und dass selbst die Regierungen im Stillen auchdieser Empfindung huldigen, das sehe ich darausdass sie von ihrem Schwertrecht so wenig Gebrauchmachen und noch weniger Gebrauch zu machen ver-heissen. Hinter den Zugeständnissen, welche dieserAnschauung im Prinzip huldigen, kommen dann diepraktischenAber, welche sie Umstürzen sollen. Stündeich, wie die Mehrheit des Reichstags, auf dem Stand-punkte, die Todesstrafe für nicht sittlich berechtigtzu halten, so wüsste ich nicht, welche Kompensationen