Druckschrift 
Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

167

für die letzte Entscheidung des Bundesraths, so werdendie Bevollmächtigten in Zukunft jeder bei seiner Re-gierung erst Instruktion einzuholen haben, ob er auchvon Amts wegen beauftragt sei, an die Unsterblich-keit der Seele zu glauben.

Das wahre und wirkende Motiv aber ist ohne Zwei-fel dies: dass die Kronenträger und ihre Sachwalterdas Jus gladii, das Recht über Tod und Leben, fürdie Quintessenz aller Herrschaft ansehen, als einenwichtigen Stein im Bau der Legitimität. Es ist etwasdran. Aber die Betrachtung passt um deswillen nicht,weil der Norddeutsche Bund kein Geschöpf der Legiti-mität ist und kein Geschöpf der Legitimität werden soll.Wie schwach das Rechtsbewusstsein des Grafen Bismarckin dieser Debatte war, erhellt mir besonders aus einerStelle seiner Rede, nämlich da, wo er mit dem Mörderden Industrieherrn verglich, in dessen Dienst einArbeiter verunglückt. Unter gewissen Umständen findetein Gericht in solchen Behauptungen das Vergehen derAufreizung einer Klasse von Staatsbürgern gegen dieandere. Und mit gleichem Rechte könnte man sagen:die Eisenbahn, auf der ein Mensch verunglückt, istauch eine Mörderin. Denn der Arbeiter begiebt sichebensowenig in die Gefahr um seines Herrn willen,als der Reisende auf den Weg um der Eisenbahn willen;Industrieherr und Eisenbahn haben gleich wenig das