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Bimetallistische Kampfesart : eine Auseinandersetzung mit Otto Arendt / Karl Helfferich
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eine grosse Fertigkeit erlangt. Seine Gewandtheit in dieserBeziehung ist allmählich so gross geworden, dass er aus jederThatsache genau dasselbe beweisen kann, wie aus ihrem Gegen-teil. Als die Goldproduktion bis Mitte der achtziger Jahre sank,da predigte Arendt immerzu: Gold wird knapp! Die Welt musszum Bimetallismus übergehen, denn die Goldwährung ist nichtmehr haltbar. Als seit 1885 die Goldproduktion wieder einesteigende Richtung einschlug und immer mehr anwuchs, daschrieb Arendt mit demselben Eiter und derselben Überzeugung:Gold wird reichlich! Die Welt muss zum Bimetallismus über-gehen, denn jetzt muss auch das letzte Bedenken gegen dieDurchführbarkeit des Bimetallismus schwinden. Gut, dassman jedes derartige Sophisma umkehren und so ad absurdumführen kann! Gold wird knapp? Sehr schade, dadurch wirdder an und für sich jetzt wünschenswerte Bimetallismus undurch-führbar. Gold wird reichlich? A la bonheur! Der Bime-tallismus wäre jetzt vielleicht durchführbar ist aber überflüssig.

Das nur als eine Probe Arendtscher Wissenschaftlichkeit!Wie bei solchen Seiltänzereien dieEhrlichkeit" intakt bleibenkann, mag etwas zweifelhaft erscheinen. Es ist aber vielleichthier angebracht, speziell darüber, wie genau es der strengeRichter über Ehrlichkeit und Unehrlichkeit seiner Gegner seiner-seits mit der Wahrheit nimmt, etwas zu erzählen.

In der 16. Auflage seinesLeitfadens" schrieb Arendt:

Argentinien, ein altes Silberland, folgte dem europäischenBeispiel, führte die Goldwährung ein, machte Goldschulden, bis einKrach kam und zu einer Goldagio-Wirtschaft führte (250 bis300 pCt.), welche die Überschwemmung Europas mit den argen-tinischen Erzeugnissen herbeiführte."

In derNation" vom 4. Mai 1. J. machte ich Herrn Dr.Arendt darauf aufmerksam, dass es mit demalten Silberland"nicht seine Richtigkeit habe, dass Argentinien nicht von derSilberwährung zur Goldwährung übergegangen sei, sondern dassseit 1826 in Argentinien Papierwährung bestand und dass derenGold-Agio bis zur Wende der 70er und 80er Jahre bis aufetwa 3000 °/o angewachsen war. Argentinien ist also nichtdurch den Übergang zur Goldwährung von einer alten solidenSilberwährung zur Papierwirtschaft gebracht worden, die Gold-währung, von der alle Übel sich ableiten sollen, ist nicht, wieArendt glauben machen möchte, schuld an der argentinischen