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Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin : gesammelte und stark vermehrte Artikel der "Gartenlaube" / von Otto Glagau
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furchtbaren Folgen des verbrecherischen Börsen- und Gründ-ungsscliwindels abzulenken, warf man sich mit Wutli auf denCulturkampf und zittert jetzt, dass derCulturkampf zuEnde gehen könnte.

Auch in der Regierung sitzen Manchesterleute, und dieRegierung trägt die Mitschuld an der so unheilvollen wirt-schaftlichen Gesetzgebung, die sie fast ausschliesslich denLiberalen überlassen hat, denen sie nur hin und wiederschwachen Widerstand leistete. Noch nach demGrossen Krach,schon mitten in der Krisis, wussten dieLiberalen , unter An-führung der Herren Lasker und Bamberger, gegen den Willendes Finanzministers Camphausen, der sich zuerst sträubte unddessen Stellung in Frage kam die Reichsbank durchzu-setzen; diese gewaltigeGründung zu Gunsten der Geld- undBörsenfürsten.

Unter den Regierungsmännern herrscht Zwiespalt und Rat-losigkeit. Minister Delbrück betonte im Reichstag ausdrück-lich die Wirthschafts-Krise, die noch längere Zeit anlialtenwerde; Minister Camphausen wollte sie überhaupt nicht zugeben.Im Abgeordnetenhause äusserte Herr Camphausen: Ich bin derUeberzeugung, dass die Lage unserer Arbeiter noch niemals sogünstig war als sie es gegenwärtig ist. Der kranken Industrieempfahl er zur Heilung die Herabsetzung der Arbeitslöhne.Als ob die Löhne nicht schon von selber, ununterbrochen sinken;als ob es nicht schon lange an Arbeit fehlt! Ein Beweis, wieunbekannt der Minister mit den thatsächliclien Verhältnissenist! Im Reichstag bemühte sich Herr Camphausen die Börseund die Gründer auf Kosten des Publikums zu entlasten:Das Publikum hat, verleitet durch Gewinnsucht, eine langeZeit hindurch schwindelhaften Unternehmungen Vorschub ge-leistet. Die ganze Nation war von einem gewissen Schwindelmehr oder weniger erfasst.Heute überlässt sich dasPublikum einem viel zu weit getriebenen Misstrauen.Heute werden die Capitalien zurückgehalten, währendsich in einer Menge der solidesten Papiere die loh-nendste Anlage dafür bietet. In Folge dieser famosenMinisterrede versuchte die Berliner Börse Ende November eineHausse in Scene zu setzen, die aber kläglich misslang.

Wiewol alle Zweige der Industrie, alle Geschäfte darnieder-