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tractirt wurde, trugen der Redaction stets eine Siindfluth vonBriefen ein; während Briefe über meine Artikel in der erstenZeit nur spärlich einliefen.
Trotzdem verursachten diese Aufsätze sofort ungemeinesAufsehen. Gleich der erste wirkte wie eine Brandrakete. Inden betheiligten Kreisen begriff man sofort, dass es sich hiernicht um allgemeine Redensarten und verschämte Anspielungenhandle, sondern dass ich entschlossen sei, dem Schwindel ernst-lich zu Leihe zu gehen. Gleich nach dem ersten Artikel liessman mir melden: ich ruinire das Börsengeschäft vollends; liessman mir einen Antrag machen, auf den ich später zuriick-komme. Fast täglich erhielt ich von nah und fern Besuche;von Leuten, die entweder für sich oder Andere besorgt waren,oder aber Andere einweichen wollten; die mich auszuforschentrachteten, mich für oder wider zu bestimmen versuchten.Ich darf wol bemerken, dass diese'Leute, mit geringen Aus-nahmen, dem auserwählten Volk angehörten. Auch fing dasPublikum, wunderlich wie es ist, an, mich als einen neuenBörsen-Rathgeber zu betrachten. Mündlich und schriftlichkamen fortwährend Anfragen: welche Papiere wol zu verkaufenund welche zu kaufen (!) wären. Ich habe die zahlreichenBriefe nicht alle beantworten können, aber mündlich wieschriftlich gab ich stets die Antwort, dass ich über den An-oder Verkauf von Börsen-Effecten keinen Rath ertheile.
Man kann sich vorstellen, dass die Gründer und Gründer-genossen das Mögliche aufboten, um die Redaction der „Garten-laube“ zum Einstellen der Artikel zu bewegen. Aus allenGegenden Deutschland’s, ja aus England und Amerika , liefenBriefe ein, die sich gegen meine Aufsätze erklärten. Leiderwaren diese Briefe fast alle anonym, aber sie zeigen einerührende Uebereinstimmung. Sie beginnen fast sännntlich mitder naiven Frage: Was haben diese Artikel für einen Zweck?Und unmittelbar darauf antworten sie stets selber: Diese Ar-tikel haben gar keinen Zweck! Sie kommen viel zu spät. Siehätten vor Jahren, in der Gründungsperiode selber, erscheinenmüssen; da hätten sie noch nützen, nämlich warnen können.Heute sind sie veraltet, sie enthalten nur längst und allgemeinBekanntes. Kein Mensch liest sie mehr. — —
Da diese Vorstellungen nichts fruchteten, ging man weiter