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Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin : gesammelte und stark vermehrte Artikel der "Gartenlaube" / von Otto Glagau
Entstehung
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Was mich selber betrifft, so will ich jenen liebenswürdigenCorrespondenten jetzt folgende Antwort geben:

Ich glaube nachgewiesen zu haben, dass es mir zu keinerZeit an gutem Willen und an Muth gefehlt hat. Aber Artikel,wie ich sie jetzt geschrieben, waren früher kaum möglich.Erst nachdem der heillose Schwindel offen vor aller Augenliegt, und unter seinen grässlichen Folgen die ganze Weltleidet: erst jetzt können diese Artikel Glauben finden und ihrevolle Wirkung üben. Ich bin der Erste gewesen, der es ge-wagt hat, die Dinge und die Personen beim Namen zu nennen,ohne Ansehn der Person und ohne Rücksicht auf die Parteienund die Regierung. Ich habe die Bahn gehrochen, und meinVorgehen hat bereits mehrfache Nachahmung gefunden.

Meine Artikel sind historische Schilderungen. Manpflegt aber nicht schon die Geschichte des künftigen Jahres,auch nicht die des laufenden Jahres, sondern erst die des ver-gangenen Jahres zu schreiben. Bevor ich die Unthaten schil-derte, mussten sie doch erst geschehen sein. Ich gebe einehistorische Darstellung des Schwindels, des Krachs und derKrisis. Die Krisis ist leider noch lange nicht abgeschlossen,sondern wir befinden uns noch mitten darin; und sogar derSchwindel wird, wie spätere Artikel zeigen werden, noch munterfortgesetzt; z. B. bei den heute so beliebten Liquidationen odergewaltsamen Entgründungen; oder indem die Herren Auf-sichtsrätlie und Directoren zahlreicher nicht lebensfähiger Bankenund Industriegesellschaften auch noch den Rest des Capitalsverpulvern. Meine Schilderungen dürften also doch vielenActionären zum Nutzen gereichen, auch in dieser Hinsicht nochnicht zu spät kommen.

Im Grossen und Ganzen ist freilich nichts mehr zuwar-nen, kaum noch etw r as zu retten. Die meisten Industrie- undauch viele Bank-Actien sind eben garniclits werth; und dieCourse sind nur nominell, in Wirklichkeit nicht mehr zu er-reichen. Daherschädige ich auch nicht, und bin überhauptnicht im Stande, zuschädigen: meine Schilderungen könnenunmöglich den wirklichen innern Werth eines Papiers schmälernund kürzen. Auch habe ich nur solche Gesellschaften behan-delt, deren Faulheit zweifellos und allbekannt ist; ich habekein Papierheruntergerissen, wiewol viele Papiere noch vielG-lagau, Der Börsenscliwjndel.