kam der Tag von Sedan — und nun war Niemand„patriotischer“, Niemand von Jubel so voll und so tollwie die Börse. Während unsere Soldaten den Feindvor sich her trieben, trieb die Börse die Course in dieHöhe; während die Französischen Gefangenen Deutsch-land überschwemmten, überschwemmte die Börse denMarkt mit ausländischen Papieren. Zunächst führtesie die Amerikanischen Eisenbahn-Prioritätenein, immer eine nach der andern: die seitdem so be-rüchtigt gewordenen Alabama-Chattanooga, Oregon undCalifornia, Georgia Aid, Port Royal, Peninsular, Rock-ford Rock-Island etc. etc.; schliesslich 26 an derZahl. Diese famosen „Prioritäten“ fanden in Amerika selber keine „Nehmer“, folglich musste Deutschland damit beglückt werden, wo sie in der Hauptsache auchwirklich untergebracht sind. Zum Course von 70 bis90, namentlich in Berlin und in Frankfurt a. M., ein-geführt, stehen sie heute durchschnittlich etwa 10 bis20, weil sie fast alle keine Zinsen mehr zahlen; vielewerden gar nicht mehr notirt, da sie völlig unver-käuflich sind, denn die betreffenden Bahnen habenBankerott gemacht, oder sie liegen unvollendet inRuinen da. Auf diesem Wege sind an hundert Millio-nen Thaler in’s Ausland geflossen, und nicht viel
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Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin : gesammelte und stark vermehrte Artikel der "Gartenlaube" / von Otto Glagau
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