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liebe Publikum wurde zur Gevatterschaft eingeladen.„Prospect“ heisst bekanntlich zunächst: Anblick,
Aussicht, Fernsicht; und deshalb ist das Wortsehr glücklich gewählt, überaus bezeichnend. Die„Prospecte“ können nicht besser verglichen werdenals mit den Guckkastenbildern, wie man sie auf Kir-messen und Jahrmärkten zeigt. Man guckt in denKasten und glaubt ein herrliches Schloss zu sehen,oder ein Bergwerk in vollem Betriebe, oder eine para-diesische Landschaft; aber in Wahrheit ist es nur einegrobe dicke Farbenkleckserei. In der ersten Zeit der Grün- *düngen freilich waren die Prospecte nicht solch plumpe,sondern eine feinere, mehr künstlerische Arbeit; sodass sie sich zuweilen wie ein farbiges Feuilleton odergar wie ein schwungvolles Gedicht lasen.
Man höre z. B. den Prospect der Ersten Alten-burger Zuckerfabrik, Kohlenabbau und Land-wirthschaftlichen Industrie-Gesellschaft: „Zuden gesegnetsten Fluren des deutschen Vaterlandesgehört der Ostkreis des Herzogthums Sachsen - Alten-buig. Die vorzügliche Fruchtbarkeit seines Bodens istallgemein anerkannt. Aber er birgt auch die werthvoll-sten unterirdischen Reichthümer — ein Braunkohlenlagervon seltner Mächtigkeit, das für diese Gegend eine
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