Druckschrift 
Der Börsen- und Gründungs-Schwindel in Berlin : gesammelte und stark vermehrte Artikel der "Gartenlaube" / von Otto Glagau
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

99

1870 standen hier Wohnungen leer ca. 1800

1871 2000

1872 1100

1873 800

Die 1100 im Jahre 1872 leeren Wohnungen waren

jedoch, entweder aus Ursachen eines Neu- oder Um-baus, gar nicht zu vermiethen, oder aber es wurdendafür zu übertriebene Preise verlangt, und sie gehörtenfast ausschliesslich zu den grösseren Miethsgelassen,von vier und mehr Zimmern. Thatsächlich fehlte es'am 1. April 1872 an ca. 500 kleinen Wohnungen;hunderte von ordentlichen Familien, die bis dahin ihreMiethe regelmässig gezahlt hatten, lagen plötzlich ob-dachlos umher, kampirten vor den Thoren, auf freienPlätzen oder in Bohbauten, Ställen etc.

Bis zur Schwindelperiode erforderte in Berlin dieMiethe etwa ein Sechstel des Einkommens. Auchschon ein unverhältnissmässig hoher Procentsatz, dervon ungesunden Verhältnissen zeigt! Aber 1871,1872 und auch noch 1873 stiegen die Miethen fastvon Quartal zu Quartal, in zwei bis drei Jahren umdas Doppelte und Dreifache. Der Miethzins verschlangjetzt durchschnittlich ein Viertel, ja nicht selten einDrittel der Gesammteinnahme. Er nöthigte die Fa-

7 *