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zuriickkam. Das „Neue Berliner Tageblatt“ meldete zuerst:Strousberg sitzt in Untersuchungs-Haft; was dann endlichauch die „National-Zeitung“ eingestehen musste. Doch brachtedieses ehrenwertlie Blatt, zu dem der „Wunderdoctor“ nochimmer Beziehungen zu haben scheint, sofort die Beschwerde-schrift, welche ein Moskauer Advocat für den Angeschuldigtengefertigt hatte, und worin nachzuweisen versucht wird: Strous-bcrg’s Gefangenschaft sei durchaus ungesetzlich, eine „Macht-iiberschreitung gegenüber einem des Schutzes beraubten Aus-länder“. —
Auch in Preussen schwebte 1871 gegen den „Eisenbahn-könig“ ein Untersuchungsverfahren, aus dem er jedoch siegreichhervorging. In Bussland hingegen macht man ihm den Prozesswegen vierfachen Verbrechens des gemeinen Betruges.Darum fragt die „Deutsche Eisenbahn-Zeitung“ sehr witzig:„Konnte der Mann nicht in civilisirten Ländern bleiben?“-
Der „Berliner Börsen-Courier“ desHerrnGeorgDavidsohn for-derte energisch, die Preussische Regierung solle für Strousberg intorveniren; und Madame Strousberg hatte, wie die „National-Zeitung“ meldete, eine Audienz beim Reichskanzler.
Zu S. 30. Gentralbank für Bauten. Diese Gründerbank ver-fasste auch ein halb Dutzend Banken in Süddeutschland, diejedoch keine Beschäftigung fanden und alsbald liquidirten. ImUebrigen stehe hier noch ein Geschiehtchen, das wir directerMittheilung verdanken:
Ein Baumeister aus Ostpreussen wurde der Centralbankdurch den Schwiegervater des Gründers und ersten DirectorsHeinrich Bergmann zugetricjben. Er gab seine Anstellungauf und trat in den Dienst der Gesellschaft, bei der er 5000Tlialer, sein ganzes Vermögen deponirtc. Nach ein paar Mo-naten rief ihn ein Krankheitsfall zu seiner Familie, die nochin der Heimat geblieben. Er reiste mit Urlaub, war aberkaum bei den Seinigen, als-er von der Gesellschaft ein Schrei-ben erhielt, das ihn ohne Weiteres verabschiedete. So ver-lor er seine Stellung; und binnen Jahresfrist verlor er auchseine Ersparnisse, die 5000 Tlialer, welche Herr Bergmann,