GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER MASCHINENSTICKEREI. 27
dem Preis wie die unsrige in die Hütte des Arbeiters Ein-gang finden konnte.
Dies aber geschah auf zweierlei Weise. Entwedermietete der Heimarbeiter von seinem Arbeitgeber, häufigervon einem Dritten die Maschine, oder er kaufte sie undzwar meist auf dem Wege der ratenweisen Zahlung. DieMietsmethode war im grossen und ganzen nicht häufig.Wenn der Hausindustrielle hierbei, wie wir noch spätersehen werden, auch keineswegs ausgebeutet wurde, so wardoch sein Bestreben stets , darauf gerichtet, die Maschineals Eigentümer zu erwerben. Schon seine Eigenschaft alsHausbesitzer, der er meistens ist, legten ihm wohl denWunsch nabe, auch die in seinem Heim aufgestellte Maschinesein eigen zu nennen. Für den Fabrikanten und anderenKapitalisten aber bot der Modus des Maschinenvermietenskeine nennenswerten Vorteile. Ein Aussaugungssystemkonnte nicht Platz greifen, damit fiel aber für viele kapital-kräftige Leute der Reiz, ihr Geld in Maschinen anzulegenund solche zu verpachten, fort 1 . So war es im Interesseder Fabrikanten wie der Einzelsticker, wenn letzterer dasWerkzeug selbst stellte. Aber dasselbe war sehr teuer.Eine Maschine kostete im Anfang 8000 Fr., zu Zeiten derstarken Maschinenvermehrung' 2200 und jetzt immerhin noch1400—1700 Fr. Für einen Handwerker, Bauern, Spinneroder Fabriksticker sind das doch Beträge von grosser Höhe,die die wenigsten zu zahlen imstande gewesen wären, wennihnen nicht die Maschinenfabriken günstige Zahlungs-bedingungen gestellt hätten. Diese hatten hierzu ihreguten Gründe. Die Maschinen waren nämlich alle vonAnfang an in der Schweiz gebaut worden, so dass eineAnzahl von Maschinenfabriken auf diesen Artikel einge-richtet und vergrössert worden war. Nichts war natür-licher, als dass sie jetzt, wo auf einmal eine Verminderungder Nachfrage von seiten der Stickfabrikanten eintrat,mit den Preisen heruntergingen und sich mit ihren Verkaufs-bedingungen der Zahlungsfähigkeit der neuen Käufer an-passten, dass sich hier schnell durch Vermittlung zahlreicher,
1 Vergl. hierzu des nähern S. 50, 52 und 66.