26
II. KAPITEL.
die Heimarbeit, die sich vollkommen frei bewegte, anMaschinenzahl gewachsen, so mussten sie sich auf einenharten Kampf gefasst machen.
So war das Bundesgesetz dazu angethan, die Haus-industrie auf Kosten der Fabrik immer mehr auszudehnen,indem erstere, je mehr sie sich infolge der durch ihreFreiheit erhöhten Konkurrenzfähigkeit verbreitete, destomehr dazu zwang, die Fabrikindustrie einzuschränken.
So haben wir die Gründe für die Verminderung derFabrikanlagen in der Maschinenstickerei erkannt: sie allegipfeln in dem Punkte, dass das Geschäft in Hinsicht aufdas grosse Risiko zu wenig lohnend geworden war.
Erklären wir jetzt, wie es kommen konnte, dass dieMaschinenstickerei Hausindustrie wurde.
Wie für die Verminderung der Fabriken, ist für dieEntstehung der Hausindustrie das schweizerische Fabrik-gesetz ein Antrieb gewesen. Gerade wie der Fabrikantfürchtete auch der im Stücklohn bezahlte Arbeiter einenAusfall seines Verdienstes durch die Einführung dieses Ge-setzes. Es zogen daher diejenigen Arbeiter, die sich einekleine Summe erspart hatten, jetzt vor, eine Maschine imeigenen Heim aufzustellen, wo man ungehindert arbeitenkonnte, so lange und mit wem man wollte. Immerhin sindaber auf diese Weise nur relativ wenig hausindustrielleSticker entstanden, die Hauptgründe für das Aufkommender Heimarbeit liegen wo anders.
Es ist hier vor allem zu betonen, dass die Heimarbeitnicht einen technisch inferioren Kampf mit der Fabrik auf-nahm, sondern in der Lage war, dieselbe Maschine zu be-nützen, die in der Fabrik angewandt wurde. Es liegt aufder Hand, dass dies nur möglich war durch das Fehlen desMotorenbetriebes in unserer Industrie. Auch in der Fabrikwird ja jede Maschine durch Menschenhand getrieben, auchdort hat man sich noch nicht, entschliessen können, die er-fundenen Dampfstickmaschinen verschiedener Konstruktionpraktisch zu verwerten. Trotzdem ist es immerhin nochauffallend genug, dass eine Maschine von der Grösse und