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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
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IV. KA1BTEL.

haben früher schon gesellen, dass nicht nur flink gefädelt,werden muss, sondern dass auch peinliche Aufmerksamkeitder Fädlerin zu einer sauberen und genauen Arbeit unum-gänglich nötig ist. Da nun nicht jede Person solche Eigen-schaften hat, findet ein übermässiges Angebot nicht [statt,und der Sticker kann auch keinen Lolmdrnck ausüben.

Der selbständige und freie Einkauf des Garns brauchteder Seltenheit seines Vorkommens wegen auf seine Folgeneigentlich nicht untersucht zu werden. Aber er hat inso-fern Anspruch auf Berücksichtigung, als er thatsächlich vonden Arbeitern nicht als das erstrebenswerte Ziel angesehenwird, als welches man ihn theoretisch hinznstellen geneigtist. Nun ist ja allerdings gar kein Zweifel, dass es fürden Arbeiter vorteilhafter ist, das Garn zu kaufen, woer will, anstatt es von dem Kaufmann bzw. Fergger käuf-lich übernehmen zu müssen. Wir haben ja die Möglichkeitvon Betrügereien hierbei schon erwähnt. 1 2

Aber der Arbeiter würde es am liebsten sehen, wenner, wie den Stickboden und den Stickfaden bei Spezialitäten,so auch das Garn vom Kaufmann zur Bearbeitung geliefertbekäme, ohne dass es in sein Eigentum überginge. Sowohldas Centralkomitee des Verbandes- als zahlreiche Stimmenaus Einzelstickerkreisen haben dieser Meinung Ausdruckgegeben. Einmal ist nämlich der Arbeiter bei der Ver-schiedenheit der Garnnummern gar nicht in der Lage, durchErwerb grösserer Posten billiger einzukaufen als im Detail,denn ein derartiges Lager der gebräuchlichen Sorten würdeihm teurer zu stehen kommen, als wenn er beim Zwirneroder Krämer für den jedesmaligen Bedarf kauft. Für denGrobsticker ist aber noch ein anderer Grund vorhanden zuwünschen, dass ihm das Garn, ohne dass er es erwirbt, nurzur Verarbeitung geliefert werde. Gerade er braucht dasmeiste Garn, und da er am wenigsten zu kalkulieren ver-steht, so setzt er bei der Übernahme der Ware zu wenig

1 Namentlich wurde auch früher von einigen firmen die Unsittegeübt, den Arbeitnehmern Garn über den Bedarf hinaus aufzudrängen;vergl. Quellenangabe No. 12, Jahrg. 91, No. 48.

2 Vergl. Quellenangabe No. 12, Jahrg. 1892 No. 15.