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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
Entstehung
Seite
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NEBENVERDIENST IN DER LANDWIRTSCHAFT U. S. W. 79

Wohl nicht viel weniger als die bereits erwähntenThatsachen scheinen mir die Beziehungen, wie sie in unseremGebiet zwischen Eltern und Kindern herrschen, die Ver-bindung von Landwirtschaft und Industrie befördert zuhaben. Das Haushaltungswesen ruht dort, wohl noch inErinnerung an frühere, reinbäuerliche Verhältnisse auf einerbreiteren Basis als gewöhnlich. Die beiden Eltern bildenoft mit der Familie des Sohnes, seltener der Tochter, einenHaushalt, in dem nur eine gemeinsame Rechnung geführtwird. Was liegt da näher, als dass die in der Industrieunverwendbaren Alten in landwirtschaftlicher Thätigkeit,ihren Beitrag zu den gemeinsamen Kosten leisten. ScliAvereArbeit können sie freilich nicht thun, aber die ist auch garnicht so häufig; wäre sie das, dann würde sie auch derjüngere Sticker, der trotz der anstrengenden Thätigkeit ander Maschine durch die Zimmerluft verweichlicht ist, nichtleisten können. Man darf sich eben nur ja nicht die dortigenBauern vorstellen, als trieben sie eine intensive Landwirt-schaft mit Körnerbau und einer Fruchtfolge, die dem Bodenabgewinnt, was ihm rationeller Weise nur abzugewinnenist. Körner werden in der Hauptsache nur im Thurgau gebaut und auch da wohl nur selten von Stickern, und derAnbau von Kraut, Mais und Kartoffeln geht kaum über denEigenbedarf hinaus. Für viele aber ist mit dem Fütterndes Viehs und mit der Düngung und Aberntung von Wies-land die landwirtschaftliche Thätigkeit erschöpft.

Wir wollen nunmehr, im Osten beginnend, die ein-zelnen Gegenden kurz für sich betrachten.

In Vorarlberg ist eben so wie auf dem linken Rhein-ufer die hausindustrielle Stickerbevölkerung ganz über-wiegend aus Kleinbauern hervorgegangen und hat sich diesenkleinbäuerlichen Charakter bis heute bewahrt. Nach derAngabe guter Kenner sollen 8090% der VorarlbergerSticker noch nebenher Landwirtschaft betreiben. Für dieseGegend ist das auch nicht besonders auffällig. Andere In-dustrien wurden von der männlichen Bevölkerung vor Ein-führung der Maschinenstickerei kaum gepflegt, und wie wirwissen, fing die Aufstellung von Maschinen in Vorarlberg