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VI. KAPITEL.
erst Ende der 70er Jahre an. Es sind also kaum 15 Jahreverflossen, seitdem man industriell thätig ist, und der Vorarl-berger giebt seine frühere Beschäftigung um so wenigerauf, als er die kleinste Verminderung der Nachfrage nachStickereien am ersten zu fühlen bekommt. Er hat von jehernur die gröbste Arbeit bekommen, die ihm nie Gelegenheitgab, sich über das Können des Anfängers zu erheben, dieguten Muster blieben drüben in der Schweiz , wo es ge-schickte und bewährte Hände zu ihrer Ausführung genuggab. Kam nun ein Nachlassen der Nachfrage, so war esja das Natürlichste, dass man zuerst den ungeschulten aus-ländischen Arbeiter, für den man — fast möchte ich sagen— jeden Tag wieder einen Ersatz haben konnte, beschäf-tigungslos Hess. So hielt dieser an dem früheren Beruf fest,was nun seinerseits wieder, wie später noch ausgeführtwerden wird, die Güte seiner Arbeit beeinträchtigte. Dieseunglückselige Wechselwirkung zwischen Ursache und Folgewürde allein schon den Fortbestand der Landwirtschaft er-klären, wie andrerseits mit Sicherheit erwartet werden kann,dass eine, wenn auch nicht im grossen Massstab sich voll-ziehende Umbildung zu reinen Hausindustriellen eintretenwürde, sofern nur der Arbeiter auf eine einigermassen gleich-massige Beschäftigung rechnen könnte. Die 1891/92 be-gonnene Emancipation des Vorarlbergs von dem Schweizer Handel mit ihrer Anstrengung auf eine Hebung der Leistungs-fähigkeit könnte, sofern der Versuch nicht scheitert, wohlin dieser Richtung wirken. — In der breiten Ebene, diedas rechte Rheinufer begrenzt, spielt neben Wiesen undObstbau auch der Gewinn von Feldfrüchten eine Rolle. Manbaut da hauptsächlich Mais als Nahrungsmittel für Menschund Vieh, ferner Kraut und Kartoffeln, teilweise sogar überden Eigenbedarf hinaus. In den meisten Fällen aber wirddieser nur knapp gedeckt. Der Bestand an Kühen oderZiegen schwankt zwischen 1 und 4 Stück, auch mästet manwohl zum Selbstschlachten ein oder zwei Schweine. Dielaufenden Arbeiten, wie Viehfüttern, werden nebenher be-sorgt, während die Feldbestellung und Aberntung den Stickercirca 8 Wochen von der Maschine fern halten. In den