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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
Entstehung
Seite
81
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NEBENVERDIENST IN DER LANDWIRTSCHAFT V. S. W. 81

Höhen des Bregenzer Waldes, wo lediglich Viehzucht undAlpwirtschaft, teilweise von ganz vermögenden hausindu-striellen Bauern betrieben wird, soll ungefähr der vierteTeil der Maschinen den ganzen Sommer über still stehen.

Ähnliche Verhältnisse wie in den ebenen Teilen Vorarl-bergs herrschen auf 'der Schweizer Seite den Rhein entlang.Nur tritt in Vorarlberg etwas zurück, was für die an demlinken Ufer des Stroms gelegene Gegend äusserst charakte-ristisch ist. Es ist das die hervorragende Bedeutung, diedort das unverteilte Gemeindeland hat. Da gar kein Zweifelbesteht, dass diese Art des Besitzes dem Fortbestehen derLandwirtschaft neben einem industriellen Beruf sehr grossenVorschub leisten muss, so wollen wir auf diese, auch in derSchweiz anscheinend etwas unbekannten Verhältnisse einwenig näher eingehen. Es interessieren uns dabei am meistendie Bezirke Werdenberg und Oberrheinthal. Gemeindelandgiebt es ja auch im Unterrheinthal und in Sarganz, aberdort sind es weniger Sticker als andere Berufe, für die esBedeutung hat. '

Im Gegensatz zu anderen Teilen der Schweiz ist indem fraglichen Gebiet nicht nur der Boden, der für Alp-oder Waldwirtschaft verwandt wird, Gemeindeland, sondernauch der in der Ebene liegende Teil der Gemeindemarkungist grösstenteils unaufgeteilt geblieben. So sind z. B. inBuchs, das allerdings in dieser Beziehung an der Spitzestehen dürfte, 90°/o der ganzen Flur noch nicht in dasPrivateigentum übergegangen, vielmehr gemeinsames GutderOrtsbürger, andernorts auch Genossenschaftsbürgergenannt, geblieben. Diese Ortsbürgergemeinde, die manch-mal geschlossen ist und dann nicht, wie sonst üblich, durchEinkauf einen Personenzuwachs erhalten kann, ist selbst-verständlich von der politischen oder Einwohnergemeindegetrennt. Man braucht nicht einmal da ansässig zu sein,wo man nutzungsberechtigt ist. Die Berechtigung ist aufLebenszeit, das Land aber ist sehr häufig nur auf einengewissen Zeitraum, im Oberschaan z. B. auf 16, in Diepoldsau auf 10 Jahre verteilt, nach deren Ablauf durch das Los eineneue Einteilung geschieht. Die Mitgliedschaft zu der Ge-

Swaine, Die Arbeitsverhälthisse der Einzelßticker in der Schweiz . 6

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