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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
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VI. KAPITEL.

Stickstuhl zu vertauschen. Und die Stickerei konnte sieim grossen und ganzen ihrem eigentlichen, ursprünglichenBeruf so wenig entfremden wie früher die Handweberei.Nach übereinstimmender Angabe von Kennern hat dieBeschäftigung in der Landwirtschaft im allgemeinen nichtnachgelassen, in einzelnen Fällen habe ich sogar Leutegetroffen, die mit den in guten Jahren ersparten Sticker-löhnen ihren Landbesitz vergrössert haben. Dass diesesmöglich war, ist natürlich nur verständlich aus den imAnfänge dieses Kapitels erwähnten Umständen ver-minderte Produktion im Sommer u. s. w. aber auch dieanscheinend grosse Körperkraft der Thurgauischen Frauen,diewie die Männer schaffen, mag fördernd in dieserBeziehung gewirkt haben. Die Grösse des Besitzes schwanktzwischen */s6 Juchart und hält sich im Mittel zwischen2 und 4, während der Stand des Viehs nach diesem Land-besitz zwischen 1 Ziege und 3 und auch mehr Kühen sichbewegt. Das Mittel beträgt hier eine Kuh und eine Ziege,wobei bemerkt sein mag, dass eine Kuh ungefähr 3 Ziegenentspricht. Von dem Land wird ein Juchart gewöhnlich alsPflanzland verwandt. Man baut darauf Kartoffeln und Kraut,auch Weizen und Roggen, namentlich wegen der Streu fürdas Vieh. Der andere Teil des Bodens dient lediglich demGraswuchs. An Zeit werden von Stickern mit mittleremBesitz der Landwirtschaft ungefähr 2025 Tage gewidmet,während deren Dauer die Maschine still stellt.

Neben diesen Stickern, die auf eigenem Boden wirt-schaften, existiert aber auch noch eine Gruppe, die, ohneselbst Acker oder Vieh zu haben, sich hauptsächlich währendder Ernte im Sommer zu Feldarbeiten verdingt. Ist dieZahl dieser auch klein und von einiger Bedeutung viel-leicht erst seit dem schlechten Gang der Industrie, die dendem Landarbeiter gewährten Taglohn von 2/s3 Fr. nichtmehr zahlt, so verdient diese Thatsache doch eine Er-wähnung.

Ähnliche Verhältnisse wie im Thurgau existieren inden südwestlichen Teilen des Stickereigebiets, in den ebenenStrichen des Kantons Zürich, soweit diese für uns in Be-