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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
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VI. KAPITEL.

stickern scliliesst, der in seiner Mehrheit noch mit Land-wirtschaft beschäftigt ist. Wir haben ferner bemerkt, dassviele Umstände dieser Verbindung Vorschub leisten und bisjetzt verhindert haben, dass die Industrie die alleinige Er-Averbsquelle wurde. Es wäre nun aber voreilig, wenn manbehaupten wollte, die hier gemachte Beobachtung erbrächteden Beweis, dass sich unter gewissen Umständen ein land-wirtschaftlicher Kleinbetrieb ganz gut neben einer Haus-industrie auf die Dauer halten kann. In all den in Fragekommenden Bezirken ist es meist noch die erste Generation,die stickt, sehr viele der heutigen Sticker sind als Bauerngross geworden und haben sich erst mit ihrem 20. und25. Jahre der Industrie zugewandt. Ich erinnere daran,dass im Rheinthal und Thurgau anfangs der 70er Jahre,in Werdenberg und Obertoggenburg in der Mitte und inVorarlberg gegen Ende des erwähnten Jahrzehnts dieMaschine allgemein Eingang fand. Es wäre also erst ab-zuwarten, ob das Geschlecht, das unterdessen meist amFädlertisch herangewachsen ist, dem Beispiel der Vätertreu bleibt oder anfängt sich des Landeigentums zu ent-äussern. Bei den jetzigen schlechten Zeiten der Industrietritt dies vor der Hand sicher nicht ein. Wie ein eventuellerguter Geschäftsgang wirken würde, das kann wohl Sacheder Mutmassung, aber nicht der Gewissheit sein.

Eine andere Frage ist die nach den Folgen dieserVerbindung. Nun kann ein Zweifel darüber, dass denLandwirtschaft treibenden Stickern ihr Besitz an Grundund Boden Vorteile bietet, absolut nicht bestehen. Einmalsind rein sanitäre Vorzüge zu konstatieren. Nicht wenigeder Beteiligten selbst haben mir gesagt, dass sie sich gernzeitweise einer bäuerlichen Thätigkeit hingäben, weil dasSticken auf die Dauer gesundheitsschädlich wirke.

Aber mehr als die gesundheitlichen springen die öko-nomischen Vorteile in die Augen. Da der bäuerliche Stickereinen Teil der verschiedenen Lebensmittel selbst produziert,so ist er schon in gewöhnlichen Zeiten weniger in Gefahrbeim Krämer hohe Preise zahlen und Schulden machen zumüssen, während in grossen Krisen sein Nebeneinkommen