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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
Entstehung
Seite
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NEBENVERDIENST IN DER LANDWIRTSCHAFT U. S. W. 87

geradezu unschätzbar wird. Kann ihn dies auch nicht er-nähren, so vermisst er doch den fehlenden Verdienst ausder Stickerei lange nicht so, als sein rein hausindustriellerCollege, der allerdings von der Arbeitslosigkeit erst spätergetroffen wird. Mit der Erwähnung dieses letzten Um-standes haben wir aber einen Kardinalfehler des gemischtenBerufs berührt. Es ist nämlich absolut ausgeschlossen, dassein Sticker, der nebenher, und sei es auch nur geringeLandwirtschaft treibt, feine Arbeit liefere.Das magsnit verliede sagen die guten Sticker. Die Hände verlierendie Feinheit und Gelenkigkeit, und das verhindert dann so-wohl eine genaue Führung des Pantographen als auch einfeines Anziehen des Fadens, das bei feinem, leicht zer-reissendem Stoff unbedingt nötig ist. Auch fehlt es dannwohl in den meisten Fällen an jener peinlichen Sauberkeit,deren feine Stickereien bedürfen. Können doch Buntsticke-reien und gewisse weissgestickte Waren nicht mehr derreinigenden Bleiche unterworfen werden. So lässt derNebenbetrieb der Landwirtschaft den Sticker höchstens dasMittel seiner Kollegen erreichen, meist aber hält er ihnin den Reihen der Grobsticker fest. Diese bekommen, wasnur gerecht erscheint, natürlich zuerst den Arbeitsmangelzu fühlen, einmal weil sich dieser bisher in der Regel beider groben Ware zuerst einstellte, dann aber, weil derArbeitgeber den guten Arbeiter dem schlechten bei derArbeitsausgabe vorzieht.

Empfinden so die bäuerlichen Sticker lediglich alleinden Schaden ihrer Doppelstellung, so zeitigt diese leiderauch noch Nachteile für die ganze Industrie, die am stärkstengerade von den anderen Arbeitern gefühlt werden. Denndurch die zunehmende Anzahl von Grobstickern, die zeit-lebens solche sind und bleiben, wird oder wurde vielmehrschon das Produkt immer schlechter, das Publikum ge-wöhnte sich an die billigen und schlechten Artikel, und dieGefahr ist gar nicht zu verkennen, dass auch die Leistungs-fähigkeit der besseren Sticker, die nun auch mehr und mehrgröbere Arbeit zu erstellen haben, herabgedrückt wird.Dies ist der eine Schaden, die allgemeine qualitative Ver-