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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
Entstehung
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PIE VERBÄNDE DER EINZELSTICKER.

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dienen, alte Maschinen zu demolieren, das Maschinen-material zu heben und tüchtige Arbeitskräfte heranzuziehen.Die Delegiertenversammlung stimmte zu, aber nur zu baldzeigte sich bei einem Teil der Kaufleute Widerspruch gegendiese Bestimmung, die ihnen zum ersten Male seit Bestehendes Verbands ein wirkliches Opfer auferlegt hatte. Sie be-stritten die Verfassungsmässigkeit des Beschlusses unddrangen, da in der That das Gesetz auf ihrer Seite war,damit bei dem Kantonsgericht durch, vor dessen Forumman die Sache gezogen hatte. Damit fiel der Industriefondsund alle mit seiner Gründung beabsichtigten Zwecke, denenman einen genialen Zug nicht wird absprechen wollen.Nur der eine Plan wurde mit anderen Mitteln, freilichnur teilweise, verwirklicht. Im Laufe des Jahres 1892wurden 450 alte Maschinen um die Gesamtsumme von22104 Fr. aufgekauft und zusammengeschlagen. Hat mandamit auch infolge der bald nachher eingetretenen Auflösungdes Verbands und des dadurch um das Eintrittsgeld von400 Fr. billiger gewordenen Preises der Maschinen die Mengeder produzierten Waren nicht sehr eingeschränkt, so wurdedoch sicher die qualitative Produktion durch den Wegfalldieses schlechten, alten Arbeitsmaterials wenigstens in etwasgehoben. Originell war das Mittel, und im grossen ange-wandt, wozu eben leider das Geld fehlte, würde es miteiner der Hauptfaktoren für die Hebung der Industrie ge-worden sein.

Es erübrigt noch zu erwähnen, dass der Verband sichauch der Pflege der Wohlthätigkeit annahm. So unter-stützte er im Jahre 1889 mit 10000 Fr. acht Gemeinden inder Rheinebene, die durch ein grosses Hochwasser in dieäusserste Not gekommen waren. Noch viel umfangreicherwar seine Thätigkeit auf diesem Gebiet im Jahr 1892, alsinfolge des grossen Arbeitsmangels Tausende von Stickernbrotlos waren h Gegenüber der Teilnalunlosigkeit der kan-

1 Nach einer vom Verband aufgenommenen Enquete waren un-gefähr 3000 Sticker damals unterstützungsbedürftig; vergl. Quellenan-gabe No. 28.